DIE RICHTIGE TECHNIK

Eins gleich vorab: DIE richtige Technik gibt es nicht  :-)

Beim berittenen Bogenschiessen müssen viele Faktoren perfekt zusammenspielen: das Pferd muss eine von Anfang an konstante Geschwindigkeit und der  Reiter einen ausbalancierten Sitz haben, so dass er sich auf einen möglichst perfekten und ruhigen Schuss konzentrieren kann. Wie bei vielen Sportarten sieht das berittene Bogenschiessen umso leichter aus, je besser ein Bogenreiter es beherrscht. Aber wehe, man probiert es selber aus - schon fliegen die Pfeile kreuz und quer in alle Richtungen und man selbst im schlechtesten Fall vom Pferd!

Auf dieser Seite haben wir dir alle relevanten Informationen zusammengetragen, damit du zumindest einen Eindruck bekommst, wie viele unterschiedliche Techniken es gibt, um den Pfeil in den "Tiger" zu bekommen und welche davon die richtige für dich sein könnte. Alles andere wirst du unbedingt in einem professionellen Kurs lernen müssen. Achte bei den Kursen unbedingt darauf, dass dort auch die Schiesstechnik unterrichtet wird, die du lernen willst. Was die Reittechnik angeht, sind die Lehrer eher flexibel, aber frag zur Sicherheit auch das vorher nach. Probier auch ruhig am Anfang mehrere Trainer aus (man lernt ja bei jedem etwas Neues dazu) und bleib dann bei dem, der dir am besten liegt.
 

Es kann aber auch gut sein, dass du mit steigender Erfahrung noch deine Technik wechseln wirst, weil du erst mit der Zeit herausfindest, was am besten zu dir passt.

 

Die ausgesessene Reittechnik

Wie oben schon erwähnt, gibt es nicht DIE perfekte Reittechnik, sondern beide haben ihre Vor-und Nachteile und man muss herausfinden, welche einem am besten liegt. Grundsätzlich geht es bei beiden darum, sich perfekt auf dem Pferd auszubalancieren und sich seinem Galoppsprung anzupassen, so dass man es nicht stört oder aus dem Gleichgewicht bringt. Bei der ausgesessenen Reittechnik muss man dann auch noch den richtigen Moment des Lösens erwischen und zwar dann, wenn das Pferd gerade in der (ruhigen) Flugphase ist. Dies kannst du auch sehr gut ohne Sattel üben.

Im Video nebendran siehst du die ausgesessene Reittechnik bei Christian Bareiss von den Bogenreitern Reiat.

Es gibt Bogenreiterschulen (z. B. bei Lajos Kassai oder Pettra Engeländer), die ihre Schüler erst mal oder generell nur bareback oder auf einem Pad ohne Steigbügel reiten lassen, damit sie den Rhythmus des Pferds absolut verinnerlichen. Getrennt davon lernen sie am Boden die richtige Schusstechnik und wenn beides gut klappt, wird das Ganze auf dem Pferd zusammengesetzt. Diese Vorgehensweise ist wirklich sehr zu empfehlen. Du brauchst für diese Technik also ein gutes Gespür für den Rhythmus des Pferds und du musst dich ihm absolut anpassen können. Wenn es klappt, fühlt sich diese Einheit von Pferd und Reiter einfach super an.

Tipp von den Profis
Um den richtigen Zeitpunkt für das Lösen zu üben, gibt es zwei tolle Übungen, die aufeinander aufbauen:

1. Stell dich schulterbreit und rechtwinklig in etwa 5-7 Meter Distanz zu einem Ziel auf, gehe ganz langsam in die Hocke, bis deine Knie knapp einen 90 Grad Winkel bilden und strecke die Beine wieder, das Ganze bei geradem Rücken.

Jetzt nockst du auf dem Weg nach unten den Pfeil blind ein, spannst auf dem Weg nach oben den Bogen und löst am höchsten Punkt den Pfeil. Diese Übung wirklich so langsam machen, dass du alle Handgriffe perfekt ausführen kannst. Erst wenn wirklich alles sitzt, das Tempo langsam erhöhen.

2. Stell dich auf ein kleines Trampolin (circa ein Meter Durchmesser) und übe das blinde Nocken und Schiessen, während du darauf springst. Der Schuss muss sich praktisch am höchsten Punkt deines Sprungs lösen - das wäre dann auch der Moment, wenn das Pferd mit allen vier Beinen in der Luft ist. Du wirst sehen, dass es etwas ganz anderes ist, als wenn du mit beiden Beinen auf dem Boden stehst und nicht alles in Bewegung ist. Auch das Nocken ist dann nicht mehr so einfach und der Pfeil springt gerne von der Hand.

Da hilft nur üben, üben und nochmal üben. Wenn du es richtig anstrengend haben willst, machst du es wie Merse Konkoly und die Schüler der Bogenreiterschule von Lajos Kassai auf dem Foto oben links: ein Rundlauf mit einem Sprung übers Trampolin, bei dem auf dem höchsten Punkt des Sprungs der Pfeil gelöst wird. Das verlangt dann wirklich Übung, Koordination und eine gute Fitness.  :-)

Vorteile der ausgesessenen Reittechnik

Wenn du im Sattel sitzenbleibst, hast du mehr Möglichkeiten, durch die Schenkel- und Gewichtshilfen auf das Pferd einzuwirken. Dies kann dir zum Beispiel in einem polnischen Parcours sehr helfen, wenn du die Ziele über ein offenes Feld so anreiten musst, dass du einen guten Schusswinkel bzw. eine perfekte Distanz bekommst. Du sitzt generell auch viel stabiler und kannst eher dein Gleichgewicht halten, wenn dein Pferd mal einen Sprung zur Seite machen sollte, weil es sich erschreckt hat.

 

Die stehende Reittechnik

Um dir die stehende Reittechnik zu erklären, müssen wir gar nicht viele Worte verlieren, sondern wir zeigen dir einfach ein Video vom absoluten Meister dieser Technik: Wojtek Osiecki von der Bogenreiterschule Stajnia Grom aus Polen. Er hat mal in einem Training gesagt: "Man muss über seinem Pferd schweben wie ein Adler über einem aufgewühlten See." Besser kann man es einfach nicht versinnbildlichen. 

Bei Wojtek sieht es von Weitem so aus, als würde er gar nicht auf einem Pferd sitzen, sondern sich wie ein Zug auf Schienen fortbewegen. Er fliegt sozusagen über dem Pferd. Dies ermöglicht ihm, zu praktisch jedem Zeitpunkt den Pfeil zu lösen, weil er nicht den optimalen Schwebepunkt des Pferdegalopps abwarten muss.

Der Trick bei dieser Technik ist, dass du die Bewegungen des Pferdes, die von unten auf dich einwirken, komplett mit den Knien und Fussgelenken ausfedern musst. Klingt einfach, ist aber sauschwer! Du brauchst für diese Technik Oberschenkelmuskeln aus Stahl, sowie stabile und gleichzeitig flexible Knie- und Fussgelenke. Ausserdem eine perfekte Balance auf dem Pferd. Der Rest ist - wie immer - Übung, Übung und nochmal Übung.

Tipp von den Profis
Um zu kontrollieren, ob du schon schwebst oder noch hoppelst, kannst du folgende Übungen machen:

1. Suche dir zwei 5-Liber-grosse Steine, galoppiere in die Bahn und versuche, sie auf den links und rechts ausgestreckten Armen zu balancieren. Wenn du sie nicht mehr verlierst, mache dasselbe mit zwei Bechern Wasser, bis du kein Wasser mehr verschüttest.

2. Galoppiere ohne Bogen in die Bahn und halte deinen Bogenarm auf das Ziel gerichtet, den Zugarm abgewinkelt in perfekter Schussposition. Behalte das Ziel im Blick und beobachte aus dem Augenwinkel deine vordere Faust, ob sie auch wirklich ruhig und stetig in Richtung des Ziels weist.

 

3. Mache dieselbe Übung mit dem Bogen: du galoppierst in die Bahn, ziehst den Bogen, so dass er auf das Ziel weist. Die Spitze des Pfeils weist die ganze Länge der Bahn ruhig und stetig zum Ziel, ohne auf und ab zu wippen. Lass dich dabei unbedingt filmen, denn nur dann siehst du, ob du wirklich ruhig und ausbalanciert in den Steigbügeln stehst und dein Oberkörper senkrecht und ruhig bleibt.

Vorteile der stehenden Reittechnik

Wie oben schon geschrieben, bist du bei dieser Technik viel flexibler, was den Zeitpunkt des Lösens angeht. Speziell bei der ungarischen Disziplin ist es wichtig, möglichst viele Pfeile hintereinander abschiessen zu können, wenn man sich auf der Höhe des Zielturms befindet. Müsste man da jeweils noch die Flugphase des Pferd abwarten, würde man bei einem langsamen Pferd viel Zeit verlieren. Ausserdem kann man bei dieser Technik viel besser die Hüfte nach rechts oder links drehen, um den Oberkörper für die Vorwärts- bzw. Rückwärtsschüsse perfekt rechtwinklig zum Ziel positionieren zu können.

Am Ende dieser Seite findest du noch generelle Tipps und Tricks zu den Reittechniken. 

 

Die mediterrane Schiesstechnik

Text: Janusch Ittig

Die mediterrane Technik ist ausserhalb des asiatischen und arabischen Raums und gerade auch unter dem Fussvolk weit verbreitet. Sie wird oft auch 3-Fingertechnik genannt, da man den Bogen mit dem Zeigefinger, dem Mittelfinger und dem Ringfinger spannt (manchmal wird auch nur mit zwei Fingern geschossen).

 

Das Ziehen der Sehne passiert nur mit dem vordersten Fingerglied von Zeiger-, Mittel- und Ringfinger. Das heisst, die Sehne wird eigentlich nur mit der Fingerkuppe gezogen oder maximal in die erste Kerbe nach den Fingerspitzen eingehakt. So geht das Lösen, der technisch anspruchsvollste Teil, möglichst reibungslos vonstatten und die Flugbahn des Pfeils wird nicht beeinflusst. Beim Lösen muss der Ellbogen waagrecht nach hinten gezogen, also nicht einfach nur die Finger geöffnet werden, damit ein gleitendes Lösen entsteht. Denn es ist unmöglich, die Finger so schnell zu öffnen, dass man schneller als der massive Zug der Sehne ist. Das Lösen sollte man dadurch beenden, dass man die Bewegung nach hinten durchzieht, das heisst, der Zugarm wird nach dem Lösen explosiv nach hinten weggestreckt. Vorderer und hinterer Arm müssen danach ein perfektes T bilden. Dies begünstigt gleichzeitig die Balance auf dem Pferd nach dem abgegebenen Schuss.

 

Bei der mediterranen Technik können die Pfeile gut in der Bogenhand gehalten werden, beim Laden müssen die Pfeile aber noch durch das Bogenfenster gelangen, da der Pfeil auf der Aussenseite zu liegen kommt. Trotzdem gehören die Meister dieser Technik im berittenen Bogenschiessen zu den schnellsten Schützen. Lajos Kassai, der Urvater des modernen berittenen Bogenschiessens, wendet diese Technik an und hat sie über die Jahrzehnte hinweg perfektioniert. 

 

Im Gegensatz zu den Boden- und den Daumenschützen wird nicht auf Höhe des Gesichts geankert, sondern auf Schulterhöhe. Dies hat drei Gründe:

1. je weniger weit Pfeil und Bogen von der Körpermitte entfernt sind, desto stabiler sind sie.

2. Beim berittenen Bogenschiessen ist alles in Bewegung, deshalb auch der Kopf, der ja die nächste Zielscheibe anvisiert. Ankert man auf Schulterhöhe, bleibt der Kopf beweglich und man kann auf plötzliche Zwischenfälle besser reagieren.

3. Verhakt man die Fingerspitzen beider Hände ineinander und zieht sie mit aller Kraft in die entgegengesetzte Richtung, merkt man sofort, dass die stabilste Höhe und maximale Kraftausübung auf Schulterhöhe ist.
 

In der Schweiz kann man die mediterrane Technik zum Beispiel in den Bogenreiter-Kursen von Roger Ittig (in Mörel im Wallis oder auf Anfrage) oder bei Anaïs Zimmermann in Büttenhardt SH lernen. Wenn man nur die Technik ohne Pferd lernen möchte, gibt Janusch Ittig schweizweit Kurse auf Anfrage.

Und hier findest du hier ein Video von jemandem, der dir diese Technik so gut vormacht, wie es kaum besser geht: der 19-jährige Levente Maucha aus Ungarn, ein Schüler von Christoph Némethy.

 

Christoph gibt ebenfalls regelmässig Kurse in der mediterranen Technik, entweder bei sich in seiner Bogenreiterschule in Pòmaz bei Budapest oder auch immer mal wieder bei uns in der Schweiz. Infos dazu findest du im Kalender bei den nationalen Trainings.

Tipp von den Profis

1. Spätestens wenn du die mediterrane Technik auf dem galoppierenden Pferd anwendest, ist es wichtig, dass du das vorderste Glied des Zeigefingers, welcher über dem Pfeil zu liegen kommt, leicht nach unten eindrehst, um den Pfeil damit an der Sehne zu verriegeln. Somit wird der Pfeil stabil auf der Bogenhand bleiben und nicht durch die galoppierende Bewegung des Pferdes herunterfallen, bzw. durch dessen Geschwindigkeit vom Bogen weg und entgegen der Reitrichtung von der Hand geweht.

Folgende Übung kann dir dabei helfen: nimm einen rechteckigen Heuballen oder eine Bank und stell sie 7-10 Meter entfernt von deinem Ziel auf. Lege einen Pfeil ein, spann den Bogen, verriegle den Pfeil mit deinem Zeigefinger, lege dich dann langsam auf den Rücken und schiess den Pfeil ins Ziel. Du wirst merken, dass es gar nicht so einfach ist, dass dir der Pfeil nicht der Gravitation folgend vor dem Schuss zu Boden fällt. Übe dies mehrmals hintereinander, bis du das Ziel sicher triffst. Dann bleib auf dem Rücken liegen, nocke und schiess so lange Pfeile aus der Bogenhand, bis dir ganz sicher keiner mehr von der Sehne fällt.

2. Damit dir die Sehne nicht in die Finger schneidet und auf Dauer Blasen verursacht, tape den Ringfinger bis über die zweite Fingerkerbe ab und tape auch die Sehne unterhalb des Nockpunkts etwa 3-4 cm breit, um die beiden anderen Finger zu schützen. Du findest ein Foto davon bei den Tipps, wie du deinen Bogen tunen kannst.

Vorteil der mediterranen Technik

Auch wenn die Daumenschützen dies bestreiten werden: sofern bei dieser Technik die Pfeile aus der Hand und nicht aus dem Köcher gezogen werden, ist sie etwas schneller als die Daumentechnik, auch wenn die Pfeile erst durchs Bogenfenster gesteckt werden müssen. Nicht umsonst hält Lajos Kassai mehrere Rekorde und wer seine Schüler mal während eines Kassai-Turniers gesehen hat, kann kaum glauben, wie schnell sie nachladen und wieviele Punkte sie in einem einzigen Durchgang dadurch schiessen. Dies erfordert allerdings auch einen Bogen, dessen Griff vorne gerade und nicht wie bei den türkischen Bögen abgerundet ist, da die Pfeile sonst in der Hand verrutschen. Und selbstverständlich erfordert es jahrelange Übung, so schnell zu werden und sich nicht ständig zu vernocken oder irgendwo hängen zu bleiben.

 

Die Daumentechnik

Text: Elisabeth Stöcklin

Beim berittenen Bogenschiessen gibt es - wie in vielen anderen Sportarten - viele verschiedene Techniken, auch wenn hier in Mitteleuropa vor allem der mediterrane Drei-Finger-Ablass am bekanntesten ist. Jedoch werden besonders bei einem kleinen Bogen mit spitzem Sehnenwinkel diese drei Finger arg gequetscht und der Pfeil wird dazwischen oft festgeklemmt. Da bietet sich der Daumenablass (Thumb Release) an, der in vielen asiatischen und orientalischen Ländern traditionell (und historisch korrekt) praktiziert und heutzutage auch von vielen Bogenreitern in Polen, Skandinavien und Grossbritannien erfolgreich angewandt wird. Hier bei uns ist die Daumentechnik recht selten zu sehen, wohl auch, weil es praktisch keine Lehrer dafür gibt.

Ohne auf die verschiedenen Daumentechniken (osmanisch, koreanisch, japanisch, chinesisch, mongolisch, persisch, slawisch) näher einzugehen, ist das Prinzip eigentlich einfach, nämlich umgekehrt zur mediterranen Technik: der Pfeil liegt (beim Rechtshänder) rechts am Bogen auf dem Daumengelenk, der Zugfinger - der Daumen, gesichert durch den Zeigefinger - greift von links die Sehne unter dem Pfeil. Diese Diagonale hilft, den Pfeil zu kontrollieren, genau wie die umgekehrte Diagonale beim mediterranen Ablass. Gezogen wird nur mit dem Daumen, der deshalb auch einen entsprechenden Schutz braucht: einen Daumenring oder zu Beginn auch einen einfachen Schutz aus Leder oder sogar Klebeband (siehe folgende Diashow).

Adam Swoboda: Bogenschiessen mit dem Daumenring - Schiesstechnik für kurze Reflexbögen

Wenn du dich weiter über die Daumentechnik informieren möchtest, gibt es die folgenden Webseiten:

www.thumbarchery.de  (siehe oberes Menü: "Der unerfahrene Daumen")

www.fletcherscorner.de

Oder auch ganz "old school" als Buch:

Adam Swoboda: Bogenschiessen mit dem Daumenring - Schiesstechnik für kurze Reflexbögen, Verlag Angela Hörnig, mehr Infos unter Literatur

Claire & Dan Sawyer: Horseback Archery - ancient art to modern sport, die englische "Bibel" des berittenen Bogenschiessens, siehe unter Literatur

Manual Horseback Archery - Claire & Dan Sawyer

Einer der besten Lehrer für die Daumentechnik (und vor allem auch für ihre diversen Varianten) ist der in Finnland lebende Rumäne Mihai Cozmeider regelmässig Kurse auf der ganzen Welt gibt.

Am besten kontaktierst du ihn über Facebook, dann gibt er dir sicher gerne die nächsten Termine durch. Ein guter Lehrer ist nämlich einfach durch nichts zu ersetzen! :-)

Vorteil der Daumentechnik

Besonders vorteilhaft bei dieser Technik ist die Lage des Pfeils: da er "in Reitrichtung" am Bogen liegt, wird er im schnellen Galopp eher noch an den Bogen gedrückt und nicht nicht vom Bogen weggeweht wie manchmal bei der mediterranen Technik, wenn man den Pfeil nicht genügend "verriegelt". Obendrein ist es nicht nötig, den Pfeil durch das Bogenfenster zu stecken. Dagegen ziehen viele Daumenschützen ihre Pfeile einzeln aus dem Köcher, da es oft wegen der Art des Bogengriffs (z. B. osmanisch-türkische Bögen mit nach vorne gerundetem Griff) schwierig ist, 10 oder mehr Pfeile in der Bogenhand zu halten. Bei entsprechender Übung lässt sich aber mit beiden Techniken gleich schnell schiessen.

Ein kleiner Nachteil ist allerdings, dass man nicht wie bei der mediterranen Technik über den Pfeil in Richtung Ziel schauen kann, welches vom Bogen selbst verdeckt wird. Aber für's Anvisieren bleibt auf dem Pferd ja eh keine Zeit und da heisst es einfach nur üben.

Viel Spass beim Ausprobieren!

 

Generelle Techniktipps und Tricks

1. Wir werden oft gefragt, wie das denn mit LinksschützInnen aussieht, das heisst, SchützInnen, die den Bogen in der rechten Hand halten und mit links ziehen (meistens sind das auch Linkshänder). Selbstverständlich müssen die nicht auf ihrer "falschen" Seite schiessen, sondern sie reiten einfach von der anderen Seite in die Bahn, was bei spiegelgleich aufgebauten Disziplinen wie ungarisch und koreanisch gar kein Problem ist. Bei der polnischen Disziplin sieht das schon wieder anders aus, da muss der Parcours meist etwas umgebaut werden, weshalb die wenigen LinksschützInnen meist alle zusammen in der ersten Gruppe starten. Falls es für dich am Anfang gleich ist, auf welche Seite du schiesst, gewöhne dich vielleicht doch besser daran, den Bogen links zu halten. Du vermeidest damit, bei Trainings und Turnieren als einzige/r am Ende der Bahn stehen und darauf warten zu müssen, dass du endlich drankommst.

2. Sobald du über die Startlinie egal welcher Disziplin galoppiert bist, sollte dein Blick nur noch auf dem nächsten Ziel liegen und nirgendwo anders. Besonders nicht auf deinen Händen zum Nocken!!! Bei der Ungarischen Disziplin liegt der Blick NUR auf dem Zielturm bzw. der drehenden Scheibe, bis du alle Pfeile verschossen hast und über die Ziellinie galoppiert bist. Bei z. B. dem koreanischen Multiple geht dein Blick nach dem Schuss der ersten Scheibe SOFORT weiter zur nächsten Scheibe und verfolgt diese, bis zu deinen nächsten Pfeil darauf abgefeuert hast und dann sofort weiter zur nächsten. Dasselbe gilt für die polnische Disziplin: sobald du ein Ziel (möglichst) getroffen hast, geht der Blick sofort zum nächsten Ziel, um es auch richtig anreiten zu können. Dein Pferd wird deiner Blickrichtung in einem offenen Parcours auch eher korrekt zum nächsten Ziel folgen, als wenn du mit anderen Dingen beschäftigt bist.

3. Am Anfang fühlt es sich extrem fies an, auf einem vorwärts galoppierenden Pferd rückwärts zu schiessen (der sogenannte Partherschuss). Der Knackpunkt ist hier, dass man wirklich mit ganz senkrechtem Oberkörper in den Steigbügeln stehen muss, denn um eine gerade Achse kann man viel einfacher rotieren, als um eine krumme. Wenn man also schon vornübergebeugt vorwärts und seitwärts schiesst, wird man sich beim Rückwärtsschuss extrem schwer tun, weil man unweigerlich aus der Balance gerät. Das ausbalancierte Stehen in den Steigbügeln erst im Schritt, dann im Trab und dann erst im Galopp üben, bis man sich wohler dabei fühlt. Unbedingt jemanden bitten, ein Video von einem zu machen, denn darauf fallen einem sofort ganz viele Fehler auf.

4. Noch ein Tipp für den Vorwärts- und Rückwärtsschuss: dein Schwerpunkt sollte die ganze Zeit über dem Pferd bleiben, denn wenn du es aus dem Gleichgewicht bringst, wird es eventuell schneller oder langsamer werden und somit auch dich aus dem Gleichgewicht bringen. Die Drehung nach vorne oder hinten kannst du stabilisieren, indem du beim Vorwärtsschuss das dem Ziel zugewandte Bein etwas anwinkelst und dich am Zwiesel oder der Pausche festklemmst und das dem Ziel abgewandte Bein nach aussen drehst, so dass dein Fuss rechtwinklig vom Pferd weg zeigt. Beim Rückwärtsschuss machst du diese Bewegung genau andersherum. So kannst du die Hüfte noch viel besser eindrehen, als wenn beide Füsse in Reitrichtung schauen.

5. Ein Profi-Tipp von Wojtek Osiecki: er hat immer mehrere dünne, circa 30 cm lange Lederbänder am Köcher dabei. Mit diesen umwickelt er zum Beispiel die Zügel an einer Stelle auf dem Genick des Pferdes gerade so fest zusammen, dass er die Länge der Zügel punktgenau verstellen kann, indem er den Knoten weiter nach vorne oder nach hinten verschiebt. Ausserdem kann man die Schlaufe/das Ende des Zügels locker am Sattel festbinden, so dass der Zügel nicht vom Hals fällt, wenn sich das Pferd mal zu einem Grashalm hinunterbeugt. Ich habe diese Bänder schon für viele praktische Einsätze brauchen können. 

6.  Wenn du keine 100 Meter-Bahn zur Verfügung hast, aber wenigstens eine circa 40 x 20 Meter grosse trockene Wiese oder eine Reithalle, kannst du mit ein paar Absperrkegeln oder Zaunstangen und Absperrbändern folgenden Parcours aufbauen:

Polnischer Parcours

Auf dieser achtförmigen Bahn kann man alle Arten von Schüssen üben, wenn man die sechs Zielscheiben dem Plan entsprechend aufstellt. Es wird unter dem Plan noch auf Englisch erklärt, wie sie geschossen werden sollen. Natürlich kannst du auch noch weitere Ziele einfügen. Behalte aber immer die Sicherheit im Auge, speziell wenn im vorderen Bereich wartende Pferde stehen. Die Gefahr von abgelenkten Pfeilen besteht immer. Unten siehst du, wie so eine Bahn in der Realität aussehen kann.

Polnischer Parcours in der Halle
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