DAS RICHTIGE MATERIAL

Die Ausrüstung eines Bogenreiters besteht aus folgenden Elementen....

Als erstes muss ich mich gleich mal dafür entschuldigen, das Pferd als "Ausrüstung" zu bezeichnen. Es ist schliesslich unser wichtigster Partner bei diesem Sport und deshalb wird es hier auch an erster Stelle aufgeführt werden.
Im folgenden bekommst du zu allen Punkten detaillierte Informationen, damit du weisst, was du für das berittene Bogenschiessen brauchst.
Eins aber vorweg: du wirst bei keinem Bogenreiter der Welt die gleichen Ausrüstungsgegenstände finden. Wie bei der Technik gibt es hier kein richtig und kein falsch. Es gibt nur das, was für dich funktioniert und das musst du über Monate oder Jahre hinweg so lange herausfinden, bis dein Material mit dir verwachsen ist.

 

Das Pferd

Text: Eva Baumann

Kurzfassung des Pferdeverhaltens:

 

Bekanntlich sind Pferde seit jeher vom Mensch domestizierte Flucht- und soziale Herdentiere. In freier Natur verbringen Pferde pro Tag circa 20 Stunden mit Fressen, Rangordnungsspielen, Sozialpflege untereinander und sie bewegen sich etwa 30 km von einem Ort zum andern. Geschlafen wird stehend oder liegend während ungefähr vier Stunden. Einige Herdenmitglieder halten Wache, schliesslich muss die Herde sofort mobil sein, wenn Gefahr droht.

Was bedeutet das für das berittene Bogenschiessen?

 

Pferde sind von Natur aus skeptisch, die einen mehr, die anderen weniger. Mit ihren in Sekundenschnelle abrufbaren Instinkten können sie auch heute noch in der Wildnis überleben. Haben Pferde Angst, haben sie wirklich Angst und dies sollte nicht unterschätzt werden, um Unfälle zu vermeiden. Sie können in Panik blitzartig losrennen, gegen die Gefahr ausschlagen, buckeln oder auch „in die Mitte der Herde drücken“, da sie sich dort sicherer fühlen.

Es ist für ein Pferd nicht selbstverständlich, dass es geritten wird und schon gar nicht, dass von seinem Rücken aus mit Pfeil und Bogen geschossen wird.

Das Wichtigste ist ein solides Vertrauensverhältnis zwischen Pferd und Mensch, in dem der Mensch zwar die Führung übernimmt, dabei aber jederzeit auf das Pferd eingeht.

 

Beziehung zum Pferd:

 

Pferde sind keine Sportgeräte, sondern 1 PS starke Lebewesen auf vier Beinen mit ausgeprägtem Sozialverhalten.

Sie haben keine Probleme, sich von jemandem führen zu lassen, vorausgesetzt, sie haben keine Angst und glauben an ihren „Herdenchef“. Deine Aufgabe ist es, ein guter „Herdenchef“ zu werden, der vom Pferd respektiert und geliebt wird. Hat das Pferd Freude, mit dir zusammen zu sein, fällt vieles leichter. Wir Menschen haben die Fähigkeit, verschiedene Arten von Sprachen zu erlernen. Dies ist im Umgang mit Pferden unabdingbar, denn sie sprechen eine differenzierte und feine Körpersprache, die wir erlernen können.

 

Wie gewöhne ich ein Pferd an Pfeil und Bogen?

 

Pferde haben so viele unterschiedliche Charaktere wie wir Menschen auch. Will man erfolgreich sein, gilt es auf diese einzugehen. Ich beschreibe im Folgenden zwei grobe Richtungen:

 

Gelassene Pferde

Dies sind neugierige Tiere, die gerne etwas mit der Nase umschubsen oder etwas ins Maul nehmen. Wenn sie sich erschrecken, beruhigen sie sich schnell wieder. Fliegt ein Stück Plastik auf oder fällt etwas herunter, drehen sie ihre Nase neugierig da hin und richten ihren Körper danach aus. Sie haben Freude am spielen und rumalbern. Ein solches Pferd ist, vorausgesetzt es besitzt genügend Grundanstand, schnell an Pfeil und Bogen gewöhnt.

 

Skeptische Pferde

Diese Pferde haben mehr ursprüngliches „Fluchttier“ in sich und reagieren sehr sensibel auf kleinste Veränderungen. Ein aufploppender Schirm oder ein Pullover, der vom Zaun fällt, stellt eine Bedrohung für sie dar und sie reagieren dementsprechend. Sie sind sehr vorsichtig, wo sie ihre Füsse hinsetzen, eine Wasserpfütze könnte ja auch ein tiefes Loch sein. Oder hinter dem Baumstamm, über den man springen will, könnte ja ein Puma lauern. Ein solches Pferd an Pfeil und Bogen zu gewöhnen braucht Fingerspitzengefühl und Pferdeerfahrung. Es ist sinnvoll, sich mit allen Dingen, die dem Pferd suspekt erscheinen, erst von ihm wegzubewegen, so lange bis es von sich aus die aus seiner Sicht gefährliche Sache mit der Nase berührt.

 

Ideen zur Desensibilisierung (Fotos siehe unten):

 

1. Das Pferd darf während den ganzen Übungen auf keinen Fall irgendwo festgebunden sein. Vorzugsweise ist ein Halfter und ein mindestens 3 m langer Strick zu verwenden. Eventuell noch ein befreundetes Pferd in Sichtweite stellen, damit es sich so wohl und sicher wie möglich fühlt.

Langsam vorgehen! Pferde wissen, dass sie ein von uns gewünschtes Verhalten zeigen, wenn wir mit dem aufhören, was wir gerade machen oder damit eine Pause einlegen!

 

2. Dem Pferd Pfeil, Bogen und Köcher vor die Nase halten. Berührt es diese, das Pferd mit den Gegenständen anfassen, streicheln, möglichst am ganzen Körper. Mit den Pfeilen vorsichtig rascheln. Das Pferd sollte relaxt stehen bleiben.

 

3. In circa 2 m Abstand Pfeile auf den Boden fallen lassen, weggerichtet vom Pferd. Was ist die Reaktion des Pferdes dazu? Bleibt es gelassen stehen, kannst du auch anfangen, rund um das Pferd zu gehen und dabei Pfeile fallenlassen. Bleibt es nicht gelassen, wiederhole den ersten Schritt, bis es keine Reaktion mehr zeigt.

 

4. Mit dem Bogen um das Pferd herumgehen und an der Sehne zupfen. Mit dem Köcher um das Pferd gehen und diesen ungeschickt schütteln. Immer auf die Reaktion des Pferdes achten - wenn nötig wiederholen, aber nicht übertreiben.

 

5. Du läufst um ein Ziel herum, das Pferd neben dir am Halfter auf der Aussenseite des Kreises und wirfst locker Pfeile gegen das Ziel. Wenn dein Pferd entspannt bleibt, schiesst du die Pfeile mit dem Bogen auf das Ziel. Funktioniert dies im Gehen, versuche es mit dem neben dir trabenden Pferd, das ist auch ein bisschen eine Geschicklichkeitsübung für dich.

6. Bist du diese Schritte durchgangen und dein Pferd bleibt bei allem relaxt, kannst du es von seinem Rücken aus versuchen. Lege dir dazu die Zügel zu Beginn auf den rechten Arm, damit sie nicht herunter fallen und das Pferd reintreten kann und damit du jederzeit in die Zügel greifen kannst, um zu korrigieren, wenn nötig. Erst im Stehen, dann im Schritt und erst, wenn das alles entspannt funktioniert, das Tempo steigern.

 

Treten Schwierigkeiten auf, denen du nicht gewachsen bist, ziehe eine erfahrene Person oder einen Pferdeprofi zur Hilfe bei, es lohnt sich. Das Pferd sollte Pfeil und Bogen von Anfang an als etwas angenehmes, ungefährliches empfinden. Hat es einmal Angst davor, bekommt man die so schnell nicht wieder aus seinem Kopf. Deshalb am Anfang bitte wirklich Geduld mit deinem Pferd haben.

Der Sattel

Text aus "Horseback Archery - ancient art to modern sport" von Claire & Dan Sawyer, frei übersetzt von Denise Locher

 

Beim berittenen Bogenschiessen kann man grundsätzlich alle Sättel benutzen, aber es gibt Satteltypen, die sich für bestimmte Techniken besser eignen als andere. Das Wichtigste ist aber, dass der Sattel dem Pferd gut passt. Sollte er ihm unbequem sein oder sogar Schmerzen verursachen, wird es nie gern und gut mit dir zusammenarbeiten. In dem Fall wirst du keine guten Ergebnisse erzielen, denn der Anteil des Pferdes am ganzen Prozess des berittenen Bogenschiessens ist nicht zu unterschätzen.

 

Ungarischer Steppensattel

Das Design dieses Sattels ist durch asiatische und Militärsättel beeinflusst. Er hat einen hohen Vorder- und Hinterzwiesel und einen kurzen Sitz. Die Steigbügel sind so gesetzt, dass sie dem Reiter eine gute Balance und ein gerades Bein erlauben, was das Drehen im Sattel vereinfacht. Ausserdem kann der Reiter seine Oberschenkel an den Zwieseln fixieren, wenn er sich im Sattel dreht, was ihm eine sehr gute Stabilität verschafft. Dieser Sattel ist sehr gut geeignet für Reiter, die in stehender Position schiessen. Er reitet sich aber ganz anders als ein herkömmlicher Sattel und ist deshalb etwas gewöhnungsbedürftig.

Der Bogen

Wer jemals zwei Bogenschützen beim Austausch von gepflegtem Bogenschützen-Latein zugehört hat, weiss, dass sie schon allein über den "richtigen" Bogen Stunden und Tage reden können. Und dass ihre Meinungen dabei wahrscheinlich meilenweit auseinandergehen werden.

Ich werde also gar nicht erst versuchen, hier einen erschöpfenden Bericht über alle Bogenarten zu schreiben, das würde den Rahmen definitiv sprengen. Dies ist eher ein Überblick darüber, was für Bögen in der Schweiz auf dem Pferd hauptsächlich geschossen werden, welche für berittene Bogenschützen überhaupt sinnvoll sind und was genau sie von den Bögen "normaler" Bogenschützen unterscheidet.

Der klassische Reiterbogen ist möglichst kurz, damit man eine grösstmögliche Bewegungsfreiheit auf dem Pferd hat, speziell beim Rückwärtsschuss. Wer sein Pferd schon mal aus Versehen dabei in die Lende gepiekst hat und dann fast heruntergepurzelt wäre, weil es plötzlich entrüstet Gas gegeben hat, weiss, wovon ich rede.

 

Er hat meistens die Form eines Recurvebogens, da diese Bögen trotz ihrer Kürze durch die nach vorne gebogenen "Siyahs" einen Extra-Schub entwickeln und somit auch auf grösseren Distanzen sehr effektiv sind. Es sind seit dem Altertum bis heute laminierte Kompositbögen, früher aus Holz mit Sehnen- und Hornbelägen, heute werden Holz und Carbon oder Fiberglas zusammenlaminiert.

Er hat auf keinen Fall eine Pfeilauflage, da diese in Turnieren nicht erlaubt sind. Der Vorteil ist, dass derselbe Bogen rechts- und linkshändig geschossen werden kann, was man auch ruhig von Anfang an trainieren sollte, um den Körper nicht nur einseitig zu belasten.

Welcher Bogen passt zu dir?

Als erstes solltest du dir darüber im Klaren sein, welche Technik du schiessen möchtest. Weltweit wird hauptsächlich die Daumen- und die mediterrane Technik geschossen, in der Schweiz wird letztere zur Zeit am meisten gelehrt. Im Menüpunkt "Technik" werden wir noch genauer auf die Besonderheiten beider Techniken eingehen. Tendenziell kann man sagen, dass kleine/kurze Bögen besser für die Daumentechnik geeignet sind, da der Winkel der ausgezogenen Sehne bei einem kleinen Bogen spitzer wird und damit die drei Finger der mediterranen Technik eingeklemmt werden würden. Dies würde ein sauberes Lösen des Pfeils deutlich erschweren, ausserdem erleichtert ein grosser/langer Bogen bei der mediterranen Technik durch sein grösseres Bogenfenster das Durchstecken des Pfeils auf die andere Bogenseite.

Rechts siehst du die Bögen, die in der Schweiz am meisten geschossen werden, mal nebeneinander auf einem Foto, um einen Eindruck von den teils massiven Grössenunterschieden zu bekommen.

Von links nach rechts: ungarischer, tatarischer, koreanischer und osmanischer Bogen. Genauere Beschreibungen zu den einzelnen Bogenarten findest du unten (hinter den Fotos). Allen Bögen ist die laminierte Kompositbauweise zu eigen, das heisst, sie bestehen aus mehreren Schichten Holz, Fiberglass, manchmal Carbon und bei den osmanischen Bögen auch Horn. Interessant dazu ist auch der Artikel über Kompositbögen auf Wikipedia.

Jetzt wirst du dich berechtigterweise fragen, wo du diese Bögen herbekommst. Da wir wissen, wie schwierig es ist, den richtigen Bogen für sich zu finden und man ihn auf keinen Fall einfach online kaufen sollte, verlinken wir dir extra nicht die Webseiten der Hersteller. Besser ist es, in einen guten Bogensportladen (siehe Partner und Sponsoren) zu gehen und sie vor Ort zu testen und zu kaufen oder auf einem professionellen Training oder Kurs (siehe Trainingsorte und Kurse) mehrere Bögen auszuprobieren, bis es bei dir "Klick" macht und ihn dann vergünstigt über unseren Verein zu bestellen.  

Siehe dazu auch den nächsten Punkt......

Vermeide unbedingt folgende Fehler:

 

1.  Einen Bogen (im Internet) kaufen, ohne ihn vorher je ausprobiert zu haben
 

Du wirst als blutiger Anfänger nicht drumherum kommen, mehrere Bogenarten auf den verschiedenen Trainings zu testen und dich dann erstmal für den zu entscheiden, der dir vom Gefühl her am besten liegt und der zu deiner Technik passt. Mit steigendem Können wirst du dann im Lauf der ersten zwei Jahre genau den richtigen Bogen für dich finden. Frag auch ruhig immer mal wieder die anderen Bogenreiter, ob du mal drei Pfeile mit ihrem Bogen schiessen darfst. Dabei die Sehne NIE ohne Pfeil "flitschen" lassen - dies kann selbst unkomplizierte Reiterbögen zerstören, weil die ganze Energie in den Bogen geht, anstatt vom Pfeil abgeleitet zu werden. 

2. Einen zu schweren Bogen kaufen

Und mit "schwer" meine ich jetzt sowohl das Gewicht, als auch das Zuggewicht. Wenn dein Bogen sehr gross, sowie dick mit Leder verkleidet ist und dann möglichst auch noch beidseitig Hornauflagen am Griff hat, wird er so schwer, dass du nach einem intensiven Trainingstag kaum noch den Arm heben können wirst. Auf Dauer kann ein zu schwerer Bogen Sehnenscheidenentzündungen oder einen Tennisarm hervorrufen und das bedeutet monatelange Trainingspause. Je leichter dein Bogen ist, desto agiler bist du auf dem Pferd.Was das Zuggewicht angeht, schiessen die Bogenreiter ebenfalls deutlich "leichtere" Bögen als die Bodenschützen. Dies liegt auch daran, dass sie die Bögen bei der mediterranen Technik oft viel weiter ausziehen als die meistens angegebenen 28 " Zoll und das erhöht wiederum das Zuggewicht. 

3.  Einen Bogen nach dem Aussehen oder nach dem Preis kaufen
Wenn du ein "Augenmensch" bist, probier die Bögen am besten mit geschlossenen Augen aus, damit du dich nicht von einem schönen Design verführen lässt. Dies rächt sich relativ schnell, genauso wie wenn du dich von einem günstigen Preis zum Kauf verleiten lässt. Spätestens wenn du nach den ersten Trainings merkst, dass dein Bogen unpräzise oder schwammig schiesst oder du gar nicht bis zum Vollauszug kommst, weil er vorher schon "stackt" (eine Art Blockieren), wirst du nochmal Geld in die Hand nehmen müssen, um etwas Vernünftiges zu kaufen.

Tipp von den Profis
Wenn du dich dann mal für einen Bogen entschieden hast, gibt es natürlich noch unzählige Varianten, um ihn zu "tunen" und ihn dadurch noch mehr zu "deinem" Bogen zu machen. Hier stellen wir dir ein paar der vielen Möglichkeiten vor. Am allerbesten gehst du aber mal zu einem der Bastelworkshops von den ELDEN Horse Archers, die gerne viele professionelle Tipps an dich weitergeben.

 

Deinen Bogen persönlicher machen

Wenn du endlich DEN Bogen gefunden hast, der sich perfekt anfühlt, aber leider noch ein bisschen langweilig aussieht, ist deine Kreativität gefragt. Alles, was die Oberfläche (speziell die nach aussen gebogenen Seite) nicht beschädigt, ist erlaubt. Du kannst den Bogen mit Birkenrinde oder Designtapes bekleben oder per Fototransfertechnik dein Lieblingspferdemotiv auf die Bogenvorderseite transferieren.

Oder du malst wunderschöne Ornamente oder einen Pferdekopf mit Pinsel oder einem Edding direkt auf's Holz. Am Schluss noch mit einer Lackschicht fixieren - fertig!

 

Die Pfeile

Die Pfeile sind das letzte Thema, das ich auf dieser Website in Angriff genommen habe und das aus gutem Grund: man könnte eine eigene Website nur über Pfeile schreiben! Passen die Pfeile nicht zum Zuggewicht des Bogens und sind sie nicht in sich ausbalanciert, kannst du so lange üben, wie du willst, du wirst nie zuverlässig treffen.

Glücklicherweise haben sich schon viele schlaue Menschen der Aufgabe angenommen, über das richtige Pfeiltuning und so wichtige Dinge wie z.B. das "Archers Paradox" zu schreiben. Ich werde hier also bezüglich der Grundlagen auf bereits bestehendes Material verweisen und nur da, wo es grosse Unterschiede für berittene Bogenschützen gibt, in die Tiefe gehen. Es wird also wieder viele Tipps & Tricks von den Profis geben, speziell, was das Design & Finish deiner Pfeile angeht, denn sie sind bei diesem Sport das vergänglichste Material von allem!  ;-)

Welcher Pfeil passt zu deinem Bogen?

Wie oben schon erwähnt, muss der Pfeil zum Bogen passen, damit er eine saubere Flugbahn hinlegt und am Schluss auch trifft. Verantwortlich dafür ist die Kombination von Zuggewicht des Bogens, der Länge des Pfeils und dem Gewicht der Pfeilspitze. Gut erklärt wird dies in dem rechten Video. Obwohl die berittenen Bogenschützen selten über 35/40 Pfund-Bögen schiessen (Frauen meist um die 25 Pfund) liegt der Spine-Wert meist sehr niedrig um 500 - 600. Dies liegt daran, dass wir nicht im Gesicht, sondern auf Schulterhöhe ankern, was schnell um die 10 - 15 cm mehr Auszugslänge bedeutet und das heisst - ein steiferer Pfeil muss her.

Im oberen Video wird das Archers Paradox erwähnt. Dieses Prinzip muss man als Bogenschütze wirklich völlig verinnerlicht haben, um die Sache mit der Flexibilität bzw. Steifigkeit eines Pfeils wirklich zu verstehen. Für einen berittenen Bogenschützen ist es noch um so wichtiger, da wir mit sehr klassischen Reitenbögen ohne jede Pfeilauflagen oder Bogenfenster schiessen. Das heisst, der Pfeil muss sich immer deutlich "um den Bogen herumwinden", um sich dann Richtung Ziel wieder zu stabilisieren.

Im Video links wird dies wirklich sehr anschaulich erklärt.

Noch etwas: sollte dein Pfeil auf dem Weg zum Ziel "wedeln", also deutlich hin- und herschlagen, stimmt der Spine-Wert nicht. Sollte er "reiten", also auf- und niedereiern, ist dein Nockpunkt auf der Sehne nicht richtig gesetzt.

Wenn du im Video über den Spine-Wert der Pfeile nur Bahnhof verstanden hast, wende dich am besten gleich an einen Bogensporthändler deines Vertrauens, der mit dir zusammen die richtigen Pfeile für deinen Bogen auswählt. Oder vielleicht wurden dir ja schon vom Hersteller des Bogens passende Pfeile empfohlen oder mitgeliefert? Falls nicht, arbeiten wir in der Schweiz mit diversen Händlern zusammen, die genau wissen, wie Pfeile für berittene Bogenschützen gebaut werden müssen. Du findest diese unter Partner & Sponsoren und im Mitgliederbereich erfährst du auch noch, wieviele Prozente unsere Vereinsmitglieder bekommen. Da Pfeile bei den Trainings schneller verschwinden oder kaputtgehen, als du dir vorstellen kannst, zählt jede Ermässigung, die du kriegen kannst. Wenn du wirklich ernsthaft mit dem Sport anfangen willst, bestell am besten gleich mal 30 Pfeile - glaub uns, du wirst sie brauchen!!!!

Pfeile Buch

Und falls du dich doch dazu entschliessen solltest, dem Geheimnis von Spine, Tapern etcetera genau auf den Grund zu gehen und deine Pfeile sogar selbst zu bauen, seien dir diese beiden Bücher ans Herz gelegt:

Das "Grosse Pfeilebuch für traditionelles Bogenschiessen" macht dich zum Pfeile-Selbstbau-Profi in Theorie und Praxis und auch die englische "Bibel des berittenen Bogenschiessens" rechts erklärt auf siebzig Seiten alles, was man über Pfeile wissen muss.

Mehr über beide Bücher findest du unter Literatur.

Der Vorteil beim Selbstbauen ist, dass man eine ganz andere Kenntnis über das Zusammenspiel von Pfeil und Bogen bekommt und seine Pfeile noch etwas mehr personifizieren kann. Der Nachteil ist, dass es noch mehr weh tut, wenn mal wieder einer verschwunden ist.

Manual BHAA

Tipps von den Profis
Wie ich schon oft auf dieser Website erwähnt habe, ist das berittene Bogenschiessen ein extrem individueller Sport. Du wirst bei keinem Bogenreiter exakt dieselbe Technik und exakt dasselbe Material finden und das ist auch gut so. Von daher sind auch die folgenden Tipps & Tricks nur ein kleiner Querschnitt von dem, was uns in den letzten Jahren so in die Quere gekommen ist und nachahmenswert schien.

1.  Vergiss deine Lieblingsfarben, was die Befiederung angeht!
Du wirst in deiner Laufbahn als berittene/r Bogenschütze/-in so unendlich lange in hohem Gras nach deinen verschossenen Pfeilen suchen, dass du selbst um die kleinste Hilfe, sie wiederzufinden, froh sein wirst. Und die beste Hilfe ist die Farbe der Federn! Vergiss Grün, Blau und Braun. Auch Gelb hat sich in Löwenzahnwiesen nicht bewährt. Am besten sind Farben, die in der Natur nur relativ selten vorkommen und/oder möglichst komplementär zu Gras sind wie Rot, Neonpink und Lila. Für Männer taugt auch noch ganz gut Neonorange. Wenn du mal richtig gut bist und kaum noch daneben schiesst, kannst du immer noch die Federfarben passend zu deinem Outfit oder deinem Pferd aussuchen.

2. Wähle eine möglichst ausgefallene Farbenkombination
Es wird dir öfters passieren, dass du mit einem guten Dutzend anderer Schützen/-innen in einem Training auf dieselben Ziele schiessen wirst. Wenn die Pfeile gezogen werden, wirst du froh sein, wenn deine Pfeile aus dem riesigen Haufen aufgrund der Farbkombination der Befiederung, der verwendeten Tapes und der Nockenfarbe herausstechen. Es gibt auch farbige bzw. gemusterte Schäfte, die ebenfalls hilfreich sind. Diese findet man auch schneller wieder, wenn sich ein Pfeil mal wieder unter die Grasnarbe gebohrt hat - ausser vielleicht, wenn man sich für den Camouflage-Look entschieden hat.  ;-)

3.  Besser von Anfang an Bullet- anstatt Jagdspitzen wählen
Hierfür gibt es mehrere Gründe:

a) Du schiesst deine Pfeile über die (meist nackte) Hand. Im Eifer des Gefechts ist es schon passiert, dass ein Schütze zu weit ausgezogen und sich den Pfeil selbst in die Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger geschossen hat. Dies würde dir mit einer abgerundeten Bulletspitze deutlich weniger schnell passieren, als mit einer nadelspitzen Jagdspitze.

b) Dein Pferd wird dir dankbar sein, wenn du ihm beim Rückwärtsschiessen und mit mehreren Pfeilen in der Bogenhand nicht die Jagdspitze in die Flanke piekst. Beziehungsweise wirst du deinem Pferd dankbar sein, wenn es dich aufgrund eines solchen unerwarteten Pieksers nicht auf der Stelle abwirft und durchgeht.

c) Bei den Trainings (speziell dem ungarischen) schiessen oft mehrere Schützen gleichzeitig aus verschiedenen Richtungen auf die Zielscheiben - bei Jagdspitzen ist die Wahrscheinlichkeit, dass du den Carbonschaft eines anderen Schützen zerstörst, ungleich grösser. Eine Bulletspitze wird eher abrutschen.

d) Bulletspitzen ruinieren die Pfeilfangnetze deutlich weniger, weil sie eher abprallen. Eine Jagdspitze geht durchs Netz hindurch, die Befiederung bleibt im Netz hängen und wird beim Herausziehen des Pfeils ruiniert.

e) Jagdspitzen werden auf lange Sicht und aus Sicherheitsgründen auf Turnieren, wo sich oft auch mehrere nervöse Pferde im Startbereich drängen, verboten werden. Mit Bulletspitzen bist du immer auf der sicheren Seite.

4.  Pfeile regelmässig (vor jedem Training und Turnier) kontrollieren
- Carbonschäfte auf Beschädigungen hin prüfen. Leicht herausstehende Fasern können sich beim Abschuss über die Hand durch die Haut bohren

- dasselbe gilt für Federn, die an der Spitze nicht mit Tape fixiert sind: diese können massiv den Handrücken aufritzen

- nichts ist ärgerlicher, als wenn man beim Turnier Punkte verliert, weil eine Nocke bricht und dadurch der Pfeil abgelenkt wird

- kleben noch alle Federn fest am Schaft? Wenn nicht, werden die Flugeigenschaften negativ beeinflusst

- sitzen alle Spitzen fest? Nichts ist ärgerlicher, als wenn eine Spitze in der Zielscheibe steckenbleibt und man sie nicht wiederfindet. Ausserdem kann es bei lockeren Spitzen eher passieren, dass sich der Carbonschaft aufspleisst, wenn der Pfeil auf ein hartes Hindernis trifft. Also immer gut festkleben.

Tipps & Tricks vom Meister Mihai Cozmei persönlich

Kaum jemand befasst sich so intensiv mit verschiedenen Techniken und entwickelt ständig neues Material wie Mihai Cozmei.

Besonders bemerkenswert ist, dass er die verschiedensten Ablasstechniken im Schlaf beherrscht. 

Hier greift er zum Beispiel in der slawischen Technik, die der persischen sehr ähnlich ist. 

Mihai zeigt uns auf den folgenden Fotos ein paar seiner Pfeiltuningtipps, die zu seiner speziellen Grifftechnik passen, die aber auch an alle anderen Techniken angepasst werden können.

Eine kleine Nockengalerie.....

Dies ist nur ein kleiner Einblick in die unendliche Welt der Pfeilnocken beim berittenen Bogenschiessen, die meisten fotografiert bei einem kleinen deutschen Turnier im schönen Steigerwald. Von aufwändigen hölzernen Selfnocks oder klassischen mandschurischen Nocken bis zu schlichtem aufgebogenen Plastik gibt es einfach alles. Und auch bei Nocken gilt: richtig ist nur das, was dir am besten taugt!

 

Der Köcher

Text: Elisabeth Stöcklin

 

Ein Köcher ist unentbehrlich für Bogenreiter, entweder als Transportbehälter oder um daraus während des Wettkampfs Pfeile zu ziehen. Im koreanischen Wettkampf ist ein Köcher sogar vorgeschrieben. Dabei hat jeder Bogenreiter seine Vorlieben, wo der Köcher getragen wird und wie die Pfeile platziert und gezogen werden. Hier werden ein paar der zahlreichen Varianten vorgestellt.

Polnischer Seitenköcher

von Wojtek Osiecki

Osmanisch-türkischer Köcher
Schräger Rückenköcher

von Mihai Cozmei

Bei allen Reiterbogenköchern gilt: die Pfeile müssen gut fixiert sein, damit auch ja nichts klappert und das Pferd erschreckt. Auch müssen die Pfeile schön voneinander getrennt sein, da man sie ja komplett blind greifen muss. Sollte man zwei gleichzeitig ziehen, kann einer davon in die Bahn fallen und gleich vom nächsten Pferd zertrampelt werden. Oder der Pfeil fehlt einem kurz darauf, wenn man bei der koreanischen Disziplin nur die passende Anzahl an Pfeilen dabei hat. Deshalb immer mindestens einen Ersatzpfeil mit auf die Bahn nehmen.

Rückenköcher
Kurzer Seitenköcher
Koreanischer Köcher
Kleiner osmanischer Köcher
Schwertköcher

von Mihai Cozmei

Osmanisch-polnischer Köcher
 

Der Helm

Helme sind eigentlich aus dem Reitsport nicht wegzudenken und das sollten sie auch nicht sein, wenn man die Geschwindigkeiten bedenkt, in denen ein Abflug möglich ist und ebenso die Höhe, aus der man von einem Pferd herunterpurzeln kann. Und das geht schneller als man denkt, wenn man sich gerade auf's Schiessen konzentriert und das Pferd einen kleinen Satz macht, weil es sich erschreckt hat. Du wirst sicher immer noch viele berittene Bogenschützen sehen, die ohne Helm unterwegs sind, warum auch immer. Es ist ja ihre Entscheidung.

Aber wie beim Skifahren auch braucht es wahrscheinlich erst wieder einen ganz schlimmen Unfall mit Todesfolge von einem Promi, bis Helme "cool" werden und auch wirklich getragen werden. Oder eben Vorschriften der Veranstalter, die allein aus Versicherungsgründen mehr und mehr darauf bestehen werden. Genau dasselbe gilt übrigens auch für Rückenpanzer, die bei Turnieren mit einem polnischen Parcours auch immer mehr Pflicht werden, da es dort teilweise ziemlich heftig durchs Gelände und manchmal auch über kleine Hindernisse geht.

Bei Turnieren also vorsichtshalber immer beides dabeihaben.

Also, egal was für ein guter Reiter man auch sein mag: Helm ist Pflicht - schon allein weil man ein gutes Beispiel für die Kids sein sollte. Selbst einer der besten berittenen Bogenschützen der Welt, Mihai Cozmei, hat nach langen Jahren in dem Sport damit begonnen, einen Helm zu tragen. Und dass das gar nicht mal so schlecht aussieht, selbst wenn man lieber in traditioneller Kleidung unterwegs ist, zeigt dir folgende Galerie........

Tipp von den Profis
Um einen traditionellen Look hinzubekommen, der zur restlichen Kleidung passt, nimmt man einfach einen alten, aber korrekt sitzenden Helm, überzieht ihn mit Stoff, Filz oder Leder und näht oder klebt noch einen Streifen echtes oder falsches Fell drumherum - fertig!

 

Die Kleidung

Bei der Kleidung für berittene Bogenschützen sieht es anders aus als beim Thema Helm: erlaubt ist, was gefällt. Oder was praktisch ist. Also im Prinzip auch die täglichen normalen Reitklamotten. Meiner Beobachtung nach ist es aber so, dass traditionelle Kleidung einen Teil der Faszination des Sports ausmacht. Zumindest eben auch für Zuschauer. Nicht umsonst wird speziell bei Shows und Demonstrationen sehr viel Wert auf schöne Kostüme gelegt.

In einem Turnier ist aber nur eines wichtig: dass man durch seine Kleidung nicht behindert wird (der Klassiker sind Sehnen, die sich beim Abschuss in weiten Ärmeln verfangen und den Pfeil ablenken, was einen schnell mal einen Platz kosten kann) und auch noch bei 30 Grad im Schatten keinen Kreislaufkollaps bekommt. Oder keine Erkältung bei Schneefall Anfang Mai in Polen. Deshalb tragen viele internationale Teams klassische Poloshirts und Reithosen in den Farben ihres Landes, die nach einem langen staubigen Tag im Sattel schnell gewaschen sind. Aber eben - wenn man zu keinem Team gehört, kann man sich auch von traditionellen Bogenreitergewändern aus der ganzen Welt inspirieren lassen.

Eines der besten Beispiele für schöne Kleidung beim berittenen Bogenschiessen sind der Rumäne Mihai Cozmei und seine Frau, die finnische Designerin Katariina Cozmei. Wie auch schon oben beim Helm-Kapitel fallen sie immer wieder positiv durch ihren perfekten und unangestrengten Style auf. Mihai durch mit schönen Borten bestickte Tunikas und Katariina durch ihre weiten Tellerröcke, die sie mit Miedern und schönen traditionellen Blusen aus verschiedenen Kulturen kombiniert. 

Solche Männertuniken bekommt man auf allen Mittelaltermärkten oder online bei Allerley, Armstreet und dem RitterladenMieder und Blusen finden die Damen auf denselben Märkten und Webseiten. Die schönsten Reitröcke gibt es bei Katariina direkt auf www.coz.fi oder wenn man ein bisschen begabt ist, kann man sie sich auch selber nähen (Anleitung hier).

Immer eine gute Inspirationsquelle ist auch die Facebook-Gruppe Mounted Archery Costuming (einfach eine Beitrittsanfrage stellen). Man kann dort sämtliche Fragen betreffend Material und Kleidung stellen und die weltweite Bogenreiterszene wird einem gerne und sofort drauf antworten.

Hier jetzt einfach noch ein paar schöne Fotos aus der ganzen Welt, die einem die Entscheidung, ob man es lieber schlicht modern oder aufwändig traditionell haben möchte, vielleicht etwas leichter machen. Ein Klick auf die Fotos liefert die genaueren Beschreibungen......

Wenn du jetzt alles zusammen hast, was du für den Sport brauchst, kannst du dich nun getrost auf die für dich richtige Technik stürzen.........

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