DIE GESCHICHTE DES BERITTENEN BOGENSCHIESSENS

 

Von der alten Kampfkunst...

Der assyrische König Ashurbanipal auf der Jagd, Ausschnitt eines Reliefs vom Königspalast in Niniveh

...über Lajos Kassai...

Der Ungar Lajos Kassai hat sein Leben dem berittenen Bogenschiessen gewidmet

...zum modernen Sport!

Die 18-jährige Schweizerin Anna-Lena Struchen auf der Schweizer Meisterschaft 2019 im Wallis

Erzählt man hier in der Schweiz jemandem vom berittenen Bogenschiessen, erntet man zumeist nur verständnislose Blicke. Dabei kann der Sport auf eine gut 3000 Jahre alte Geschichte zurückblicken.

 

In alten Hindu-Schriften wird sogar schon um 1700 vor Christus berichtet, dass in Indien vom Rücken von Elefanten aus mit Pfeil und Bogen geschossen wurde. Als erstes bekanntes Volk, das vom Pferd aus mit Pfeil und Bogen schoss, gelten allerdings die Assyrer, die in Mesopotamien (heute Teile der Türkei und Irak) lebten und die im 8. Jh v. Chr. sogar Ägypten und Babylonien beherrschten. Links oben eine Abbildung des assyrischen Königs Ashurbanipal auf der Jagd (Ausschnitt eines Reliefs auf dem Königspalast in Niniveh).

Sehr berühmt und durch Ausgrabungen gut erforscht sind auch die Skythen, ein ursprünglich aus dem Altai-Gebirge eingewandertes Reiternomadenvolk, das ab etwa dem 7. Jh. v. Chr. die Steppen des heutigen Südrusslands und der Ukraine bevölkerte. Man hat reich ausgestattete Gräber gefunden, in denen gefallene Krieger zusammen mit ihren unglaublich kunstvollen Kompositbögen und Pferden bestattet wurden. 

Zwei Ethnien, die sich ebenfalls zu einem grossen Teil auf die berittene Kriegskunst verliessen, um ab 500 v. Chr. ihren Herrschaftsbereich in Vorderasien zu vergrössern, waren die Parther und Perser, wobei letztere sich vom heutigen Iran aus Richtung Aserbaidschan, Tadschikistan und Afghanistan ausbreiteten. Von den Parthern leitet sich der "Partherschuss" ab, bei denen die Kämpfer eine Flucht vortäuschten, um dann die Verfolger rückwärts gedreht in den Steigbügeln stehend einen nach dem anderen abzuschiessen. Dieser Partherschuss ist heute sozusagen der dritte Teil des Kassai-Wettkampfs, nur eben nicht mehr auf lebende Ziele.

Über die Schlachten, die schliesslich zu dem riesigen Perserreich führten, gibt es allerdings so viel zu berichten, dass es den hiesigen Platz sprengen würde. Wir verweisen in diesem Fall vertrauensvoll auf Wikipedia, bei denen man alles von Xerxes bis Alexander dem Grossen nachlesen kann.

Ein weiteres Reiternomadenvolk, das sehr berühmt für seine weiten Eroberungen durch die berittene Kampfkunst war, waren die Hunnen ab dem 3 Jh. nach Christus. Sie stiessen vom nördlichen Kaukasus immer weiter Richtung Westen vor und lehrten unter ihrem berühmtesten Feldherrn Attila mit ihren schnellen berittenen Bogenschützen sogar die Römer das Fürchten. Erst die Schlacht auf den katalaunischen Feldern 451 n. Chr. bremste die Hunnen aus, so dass sie sich im Jahr darauf nach einem kurzen Vorstoss bis nach Italien wieder in die Ungarische Tiefebene zurückziehen mussten und mit dem Tod Attilas 453 n. Chr. an Macht verloren.

Die Gefahr für Mitteleuropa durch berittene Bogenkämpfer war aber noch lange nicht gebannt: das ursprünglich aus dem Ural eingewandertes Nomadenvolk der Magyaren siedelte sich um 900 n. Chr. unter Fürst Arpad in der Pannonische Tiefebene an und unternahm von dort aus jahrzehntelang verheerende Raubzüge bis nach Frankreich und Spanien, die erst durch die gegen Otto den Grossen verlorene Schlacht auf dem Lechfeld 955 n. Chr beendet werden konnten.

Noch ein gefürchtetes Reitervolk waren die Tataren, ein überwiegend islamisch geprägtes Turkvolk, das sich vom Kaukasus bis an die polnische Ostsee ausbreitete und in der Schlacht bei Grunwald 1410 neben den Litauern gegen die Kolonisatoren des Deutschen Ordens durch seine berittene Kriegskunst Berühmtheit erlangte. Aber auch sie wurden vom Lauf der Geschichte wieder verschluckt. Heute existieren noch etwa 8 Millionen weltweit, davon 1,7 Millionen in der autonomen Republik Tatarstan westlich des Uralgebirges.

Die meisten Menschen werden aber an die Mongolen unter Dschingis Khan denken, wenn sie von der Kampfkunst der berittenen Bogenschützen hören. 

Dschingis Khan (geboren als Temüdschin circa um 1160, gestorben wahrscheinlich am 18. August 1227) war ein Khan der Mongolen und Begründer des Mongolischen Reichs. Er vereinte die mongolischen Stämme und eroberte weite Teile Zentralasiens und Nordchinas. Seine Regierungszeit als erster Grosskhan der Mongolen dauerte von 1206 bis 1227.

Er vereinte die mongolischen Stämme auf dem Territorium der heutigen zentralen und nördlichen Mongolei und führte sie zum Sieg gegen mehrere benachbarte Völker.

Nach der Ernennung zum Großkhan aller Mongolen begann er mit der Eroberung weiterer Gebiete; im Osten bis an das Japanische Meer und im Westen bis zum Kaspischen Meer. Um dieses Reich zu verwalten, ließ er eine eigene Schrift entwickeln und setzte schriftliche und für alle verbindliche Gesetze durch. Nach seinem Tod wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt und noch weiter vergrößert, fiel aber zwei Generationen später wieder auseinander, weil sich die Familien untereinander zerstritten.

Rechts siehst du eine Animation, die die immense Ausdehnung des mongolischen Reichs (rot) von 1206 bis 1294 zeigt. Danach zerfiel es in die Khanate der goldenen Horde (gelb), der Tschagatai (dunkelgrün), der Ilchanat (hellgrün) und der Yuan-Dynastie (lila). 

Wie konnte dieses Reich aber nur so gross werden? Dschingis Khan wusste, dass man in der Steppe nur überleben kann, wenn man mächtige Verbündete hat. Durch geschickte Diplomatie gepaart mit grenzenloser Grausamkeit gelang es ihm, seine Gegner nach und nach für sich zu gewinnen oder auszuschalten. 

Die Schlagkraft seiner Armee beruhte auf ihrer strengen Disziplin, ihrer Wendigkeit auf den zähen und ausdauernden Pferden, ihren Waffen und ihrer ausgefeilten Gefechtstaktik. Jeder Reiter führte zwei bis drei Pferde mit sich und konnte durch die damit immer gegebene Austauschmöglichkeit in kürzester Zeit große Entfernungen zurücklegen. Dabei machten sie unterwegs nur Rast zum Essen und Schlafen. Noch bis ins 15. Jahrhundert kam es zu Raubzügen nach Mitteleuropa. Die mongolischen Eroberungen in Europa wurden zum Staat der Goldenen Horde, der noch bis 1502 und somit mehr als ein Vierteljahrtausend lang eines der größten Reiche Europas war.

 

Die ausführliche und spannende Geschichte des mongolischen Reichs findest du auf Wikipedia.

Als das mongolische Reich um 1300 anfing, in seine vier Teile zu zerfallen, griff im Nordwesten Anatoliens der turkmenische Clanführer Osman I. mit seinen nomadischen Bogenkämpfern nach der Macht und dehnte seinen Herrschaftsbereich nach und nach in Richtung Nordwesten auf Kosten des damals geschwächten Byzantinischen Reiches aus, bis um Mitte des 15 Jh. Konstantinopel Sitz der osmanischen Sultane wurde.

Zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 17. Jahrhundert erstreckte es sich von seinen Kernlanden Kleinasien bis weit nach Südosteuropa hinein. Jahrhundertelang beanspruchte das Osmanische Reich politisch, militärisch und wirtschaftlich eine europäische Großmachtrolle. Ab dem 18. bis ins späte 19. Jahrhundert hinein rang es mit dem russischen Zarenreich um die Herrschaft über die Schwarzmeerregion. Durch die ununterbrochen intensiven politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen ist die Geschichte des Osmanischen Reichs eng mit derjenigen Westeuropas verbunden.

Parallel zu den Osmanen nutzten auch die Mameluken (ursprünglich Militärsklaven türkischer oder kaukasischer Herkunft) ihre über die Zeit erworbene dominierende Stellung als Heerführer nicht selten, um eigene Reiche in der Region Kleinasiens bis nach Indien zu begründen. In Ägypten konnten sich die Mameluken noch bis zur Invasion Napoleons 1798 als lokale Herrscherelite halten.

 

Im oberen Foto ist die Tradition des Quabaq dargestellt, bei dem in vollem Galopp auf einen an einem 7 Meter hohen Pfahl gehängten Kürbis (Qabaq) geschossen wurde. Diese Disziplin wird heute noch weltweit an internationalen Wettkämpfen ausgeübt.

Links sehen wir osmanische Sultane bei der Bärenjagd. Interessant ist auf diesem Foto, dass die Zügel der Pferde am Daumenring der Reiter befestigt sind, so dass sie damit Pfeile abschiessen und sofort wieder ihre Pferde lenken können.

Eines der wenigen Länder, in denen sich das berittene Bogenschiessen trotz des Aufkommens der modernen Feuerwaffen quer durch die Jahrhunderte bis heute bewahrt hat, ist Japan mit seinem "Yabusame"

In der Kamakura-Zeit (1192–1334) wurde das berittene Bogenschiessen dort als militärische Trainingsübung genutzt, um die Samurai kriegsbereit zu halten. Schlechte Schützen konnten sich sogar veranlasst sehen, Seppuku (ritueller Selbstmord mit dem Schwert) zu begehen. 

Nach einer katastrophal verlorenen Schlacht 1575 bei Nagashino, bei der die Kavallerie der Takeda nahezu vernichtet wurde, wurde es kurzzeitig still um diese Kampfkunst, aber schon um 1700 wurde sie vom Shogun Tokugawa Yoshimune als Tradition wiederbelebt und bis heute bei rituellen Vorführungen vor den heiligen Schreinen in Kamakura oder Samukawa gezeigt. Dadurch, dass es in Japan aber fast unerschwinglich ist, ein Pferd zu mieten, geschweige denn zu halten, gibt es heute höchstens noch 50 gute Schützen in Japan.

Yabusame.jpg

Der Fotograf Moriyama Masatomo hat diese beeindruckende Zeremonie mit ihren aufwändigen Gewändern und eleganten langen Kyudo-Bögen in einem absolut sehenswerten Facebook-Album festgehalten. Und hier findest du noch ein Video über die farbenprächtige weibliche Variante des Yabusame.

Erwähnenswert ist auch noch, dass sich auch in Korea das berittene Bogenschiessen bis heute gehalten hat. Man hat Wandmalereien in Gräbern gefunden, die auf die Zeit 100 bis 700 nach Christus datieren und wo berittene Bogenschützen bei der Jagd und im Wettkampf dargestellt wurden. Die WHAF (World Horseback Archery Federation mit Sitz in Seoul, Vorsitzender Young-Sup Kim) organisiert seit 2004 unter dem Patronat der UNESCO jedes Jahr in Sokcho ein grosses Turnier in der koreanischen Disziplin mit extrem rasanten Pferden plus Vorführungen in der Teamsportart Mogu.

Hier findest du sehr beeindruckende Bilder von diesen vielfältig bunten Turnieren.

"Und wo bleiben die Indianer?", wirst du jetzt sagen. Auch wenn sie sich durch Winnetou & Co unauslöschlich in unsere kindliche Erinnerung gebrannt haben: die Indianer haben eine vergleichsweise kurze Tradition des berittenen Bogenschiessens. Sie jagten zwar schon zweieinhalb Jahrtausende mit Pfeil und Bogen, bevor die Spanier Amerika entdeckten. Diese führten aber erst um 1550 Pferde auf dem amerikanischen Kontinent ein, die die Indianer dann teilweise als Geschenk erhielten oder mit der Zeit erbeuteten. Mit diesen jagten sie die grossen Bisonherden, bis diese wiederum durch die modern bewaffneten weissen Siedler und Soldaten um 1885 ausgerottet wurden. So ging diese indianische Jagdkunst erstmal wieder vergessen.

Ein sehr interessantes Buch über die Indianer findest du unter dem Menüpunkt Literatur. Mitgeschrieben wurde es von einem der führendsten Bogenreiter und Bogenbauer Amerikas, Lukas Novotny. In den letzten Jahren erlebt der Sport in Amerika ein riesiges Revival und es entstehen viele neue Trainingsgruppen.

Horseback Archery Manual by Claire and Dan Sawyer - BHAA

Über alle dickgedruckten Namen der verschiedenen Völker kann man auf Wikipedia noch viel genauer nachlesen, was wir hier aus Platzgründen nicht mehr unterbringen können. Nimm dir die Zeit, es ist wirklich mega spannend.

 

Ebenso sind diese ganzen  Völker und Schlachten am Ende der englischsprachigen „Bogenreiterbibel“ der British Horseback Archery Association (BHAA) sehr übersichtlich aufgeführt und beschrieben. Dieses unglaublich ausführliche Handbuch "Horseback Archery: ancient art to modern sport" der beiden aktiven Bogenreiter Claire & Dan Sawyer werden wir auf dieser Website sicher noch öfters zitieren. Mehr darüber findest du am Ende dieser Webseite unter dem Menüpunkt Literatur.

Geschichte des berittenen Bogenschiessens in einer Tabelle

Erst die modernen Massenvernichtungswaffen liessen die erstaunliche Kampftechnik der berittenen Bogenschützen in den meisten Ländern in Vergessenheit geraten - bis sich in den 80er Jahren ein ungarischer Bogenbauer für die Geschichte seiner Vorfahren zu interessieren begann.....

 

Rhythmus und Balance - die spannende Geschichte von Lajos Kassai

Lajos Kassai kann man getrost als den Vater des europäischen berittenen Bogenschiessens bezeichnen.

 

Der ungarische Bogenbauer entwickelte Ende der Achtziger Jahre aus seiner Faszination für die berittene Kampfkunst seiner Vorfahren einen Sport mit einer speziellen Art von Turnier, das inzwischen als "Original Kassai System" geschützt ist. Er betreibt eine berühmte Schule in einem Tal bei Kaposmérö südlich des Balaton, in der man jeden ersten Samstag im Monat beim Tag der offenen Tür einen Einblick in das Training seiner Schüler bekommen kann. Er ist ständig unterwegs, um überall auf der Welt neue und nach seinem System gebaute Turnierbahnen einzuweihen. Ausserdem hält er mehrere Weltrekorde im berittenen Bogenschiessen und nimmt immer wieder an grossen Reitershows teil, um den Sport bekannter zu machen.

Bis zu seinem heutigen Erfolg war es aber ein weiter Weg,

den Kassai ausführlich in seinem 2002 veröffentlichten 

Buch "Bogenschiessen vom Pferd" beschreibt.......

 Meine Reitkenntnisse erwarb ich mir zwischen all den Stürzen in jenen kurzen Zeiträumen, in denen ich mich auf dem Pferderücken halten konnte. Mein Freund Vince Paladi lieh mir oft sein Pferd "Pajkos" (auf deutsch "Schelm"), ein etwas eigensinniges Tier. Mit Pajkos zusammen musste ich mir keine Gedanken über unsere Reitstrecke machen und er nahm mir auch die Entscheidung ab, wo und wann wir anhalten würden. Während wir einen Waldweg entlang galoppierten, fühlte er oft das plötzliche Bedürfnis, in die Bäume hineinzujagen, was mich natürlich von seinem Rücken fegte. Oft zog er mich, einen Fuss im Steigbügel, hinter sich her. Diese Art über Land zu reiten ist eher unbequem. Seine plötzlichen Rhythmus- und Richtungswechsel verliehen meinen monotonen Ausritten etwas Farbe, besonders, wenn die Wege nass und matschig waren. Bei solchen Gelegenheiten fiel das Pferd normalerweise auf mich. Die einzigen Gelegenheiten, die Schönheit der Landschaft in Zselic zu geniessen, bestanden darin, sie mit dem Kopf in ihrer Erde zu betrachten. Pajkos war ein niedliches kleines Pferdchen, das eine wunderbare Ergänzung zu meinen eher unperfekten Reitkenntnissen bildete.

Eines Tages, als wir auf unserer üblichen Tour waren, zog ich mit aller Kraft an den Zügeln in der mir bekannten Art und Weise, die normalerweise dazu führte, dass das Pferd ein bisschen beschleunigte. Durch die Tränen, die der Wind aus meinen Augen trieb, formte sich das Bild eines Tals. Da kam mein treuer Begleiter zu einem plötzlichen Stillstand. Eine letzte lustvolle Woge von Todesangst durchströmte mich wie eine kalte Dusche, nur um von einem Gefühl ersetzt zu werden, da ich noch nie erlebt hatte. 

Das Tal, in dem wir uns befanden, bildete eine Sackgasse. Wir waren am Ende des Weges angelangt, dem Pferd bleib keine Möglichkeit mehr weiterzulaufen, ausser die steilen Felswände zu erklimmen. In einer für ihn völlig ungewöhnlichen Art und Weise bleib er einfach stehen und ich versuchte, meine Gefühle zu verstehen. Es fühlte sich an, als ob man seinen Platz in der Welt plötzlich gefunden hat. 

Nun, ich hatte ihn gefunden. Ich hatte mein Tal gefunden. 

In diesem Buch beschreibt er den langen und oft steinigen Weg, wie er über viele Jahre hinweg seine ganz eigene Art des berittenen Bogenschiessens entwickelte und sich trotz zahlreicher Rückschläge nicht entmutigen liess. Er orientierte sich dabei eng am traditionellen Stil der Hunnen und Magyaren, musste aber von deren Daumentechnik auf die mediterrane Schiesstechnik ausweichen, da ihm das erste Daumenglied der rechten Hand fehlt.

In der ersten Hälfte des Buchs erklärt er ausführlich, wie eine Turnierbahn angelegt sein sollte, was für nützliche Vorübungen man am Boden machen kann, um den auf dem Pferd benötigten Rhythmus und die eigene Balance zu trainieren und wie man sein Pferd an Pfeil und Bogen gewöhnt.

Ich richte meine Konzentration immer hinter das Ziel, nicht auf seine Oberfläche, das verhilft mir zu grösserer Tiefe und Stabilität im Moment des Lösens des Schusses. Auflegen, zielen, schiessen. Kein Warten, es ist eine einzige Bewegung. Wir müssen uns daran gewöhnen, jede emotionale Reaktion auf den Schuss zu vermeiden, die uns aus dem Gleichgewicht bringen könnte. ... All unsere Aufmerksamkeit müssen wir auf die Gegenwart richten, uns mit aller Macht auf den Augenblick konzentrieren. ... Ich muss darauf achten, dem Ziel mit meinem ganzen Körper zu folgen, mich langsam und gleichmässig zu drehen und dabei über dem Schwerpunkt des Pferdes zu bleiben. 

Wenn du nur einen Tag nicht trainierst, wirst du es merken.

Wenn du zwei Tage nicht trainierst, wird dein Trainer es merken.

Wenn du drei Tage nicht trainierst, werden alle es merken.  

...wer sich von diesen Schwierigkeiten nicht abhalten lässt,

wird einen uneinholbaren Vorsprung vor denen gewinnen,

die den Weg des geringsten Widerstands wählen.

Ich habe immer alles ausprobieren wollen und gesagt, dass nur Dumme aus den Fehlern der anderen lernen wollen,

da nichts wichtiger ist als persönliche Erfahrung. Wissen ist unser einziger Schatz, der uns nicht genommen werden kann,

während er gleichzeitig die aristokratischste Sache der Welt ist. 

Mehr Infos über das spannende Buch von Lajos Kassai findest du unter dem Menüpunkt "Literatur" am Ende dieser Seite

 

Der Sport heute

Angestossen durch Lajos Kassai hat das berittene Bogenschiessen inzwischen einen Siegeszug rund um die Welt angetreten. Während wir Schweizer noch mit mangelnden Trainingsmöglichkeiten aufgrund des Platzmangels zu kämpfen haben, bietet in Frankreich inzwischen jeder kleine Ponyclub Kurse an und schon siebenjährige Knirpse auf Shetlandponys schiessen wie die Teufel  (siehe Video rechts aus der Bogenreitschule von Benedicte Vieillard Opoix in Jouy-le-Châtel). So wundert es niemanden, dass sich die "alten Hasen" immer heftiger gegen das Nachdrängen  der "jungen Wilden" verteidigen müssen.
 

Die UNESCO hat das berittene Bogenschiessen inzwischen in das schützenswerte Weltkulturerbe aufgenommen und unter ihrem Patronat werden seit wenigen Jahren auch Turniere im Iran, der Mongolei, Kasachstan oder Kirgisistan veranstaltet - also den Ländern, aus denen der Sport eigentlich ursprünglich kommt. In der Mongolei werden Kinder seit kurzem wieder im berittenen Bogenschiessen unterrichtet und es gibt Bestrebungen, es zusammen mit dem Ringkampf, dem Bogenschiessen und den Pferderennen wieder in die offiziellen traditionellen Wettkampfsportarten des Naadam aufzunehmen, des grössten nationalen mongolischen Festes.
 

Der Sport entwickelt sich stetig weiter und in Ländern wie Polen, Finnland, Australien, Amerika und der Türkei werden kreative neue Disziplinen entwickelt (Polish Track, Aussie Track, Texas Triple, Five Demons, Turkish Tabla und viele mehr). So spannend diese Entwicklung ist, so schwierig ist es, weltweit in Bezug auf internationale Turnierregeln auf einen Nenner zu kommen. Hier sind die WHAF (World Horseback Archery Federation) sowie die IHAA schwer gefordert. Dazu mehr im nächsten Punkt....

Vor allem aber soll der Spass und das freundschaftliche Zusammentreffen auf den Trainings und Turnieren im Vordergrund stehen, auch wenn die Events immer grösser werden und mehr und mehr Geld ins Spiel kommt. Dieses gemeinschaftliche Ziel hat sich unser Verein "Berittenes Bogenschiessen Schweiz" gross auf die Fahnen geschrieben und jeder von uns kann es gemäss seinen Möglichkeiten tatkräftig unterstützen. Am einfachsten mit einer Mitgliedschaft im Verein oder eine Spende, aber auch, indem er an Events teilnimmt, sie als Zuschauer besucht oder darüber berichtet. Gerne darfst du erstmal auch nur unserer Facebook-Gruppe beitreten, um dich ganz unkompliziert über die neuesten Entwicklungen und Turniere zu informieren.

 

Die IHAA - International Horseback Alliance Association

Die Vereinigung IHAA hat es sich zum Ziel gesetzt, alle berittenen Bogenschützen weltweit zusammenzubringen und den Sport weiter zu professionalisieren.

Sie richtet alle zwei Jahre eine Europameisterschaft (die erste 2017 in Lamotte-Beuvron, Frankreich) und abwechselnd damit alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft (die erste 2018 in Pòmaz, Ungarn) aus. Dafür erarbeitet sie aufgrund der bereits bestehenden weltweiten Turnierregeln (die sich von Land zu Land teilweise massiv unterscheiden) einheitliche Turnierregeln, damit Turnierergebnisse auch weltweit miteinander verglichen werden können. Wer die ständigen Querelen der europäischen Union kennt, kann sich aber in etwa vorstellen, was sich diese weltweite Vereinigung für eine Sisyphusarbeit vorgenommen hat. Da aber der momentane Präsident der IHAA, Alan Le Gall vom Trainingszentrum Domaine de Gauchoux in Frankreich, ein extrem diplomatischer, kommunikativer und international bereits gut vernetzter Mensch ist, kann man dieser Entwicklung sicher gelassen entgegensehen.

Unser Verein vertritt offiziell die Schweiz bei der IHAA, die Schweizer Repräsentantin ist unsere Präsidentin Denise Locher. Solltet Ihr Fragen haben, könnt ihr sie gerne per Mail kontaktieren, sie kennt sich prima mit allem rund um die IHAA aus.

Postal Matches der IHAA

 

Sich weltweit miteinander zu messen, ohne dafür in einen Flieger steigen zu müssen (was für Normalsterbliche mit dem eigenen Pferd sowieso unmöglich wäre), ist keine neue Idee, sondern wird schon lang von den "normalen" Bodenschützen praktiziert. Die IHAA schreibt alle zwei Monate ein neues Postal Match aus und inzwischen machen Hunderte von Bogenreitern weltweit mit. Die Turnierarten werden dabei jedes Mal von einem anderen Verein aus einem anderen Land vorgegeben, damit es spannend bleibt. Vorherrschend ist meist die ungarische und koreanische Disziplin, aber es gibt auch immer wieder zusätzliche Testvarianten, wie z.B. das traditionelle Tabla-Turnier des sympathischen Türken Emrah Koç. Das Schöne ist dabei, dass man sich im eigenen Stall oder Verein vor Ort treffen und die Postal Matches mit dem eigenen, vertrauten Pferd reiten kann.

Man braucht keine aufwändige Zeitmessanlage und meist nicht mal eine 90-Meter-Bahn. Was man allerdings braucht, sind die Score Sheets, die man sich von der IHAA-Website runterladen kann und immer mindestens einen Zeugen, der die Ergebnisse mitschreibt. Ehrlichkeit ist hier natürlich Ehrensache! Diese Ergebnisse reicht man dann einfach über die Website ein und nach zwei Monaten steht das aktuell ausgewertete Ranking online.

Eine tolle und spannende Sache für Leute, die sich gerne mit anderen messen möchten, aber nicht die Möglichkeit haben, auf nationale oder internationale Turniere zu gehen. Weitere Informationen über die aktuellen Postal Matches findest du ebenfalls unter www.horsebackarchery.info.


Wenn wir vom Verein uns zu einem Postal Match treffen, posten wir es übrigens immer in der Facebook-Gruppe "Berittenes Bogenschiessen Schweiz", zu der du dich gerne anmelden darfst.

 

Grading-System der IHAA

 

Bei Turnieren, die in der Schweiz oder weltweit offiziell nach IHAA-Regeln geritten werden, kann man sich seine Ergebnisse für die Gradings der IHAA anrechnen lassen. Dieses System ist dazu gedacht, die fortschreitenden Leistungen aller bei Wettkämpfen startenden Bogenschützen weltweit beobachten und vergleichen zu können. Aufgrund einer genauen Analyse der bisherigen weltweiten Turnierergebnisse wurde ein Ranking von S1 bis S4 (Students Level) und H1 bis H8 (Professional Level) erstellt. Auf den Turnieren der IHAA helfen diese Gradings, dass Starter ähnlicher Levels sich miteinander messen können, denn die Leistungsunterschiede sind inzwischen immens. Aber auch für einen persönlich kann ein solches Gradingsystem sehr motivierend und hilfreich sein, um die eigenen Fortschritte einschätzen zu können und sich mit anderen zu messen. Für die Gradings gibt es sowohl  ein Schritt-, Trab- und natürlich Galopp-Level, was auch Anfänger und Kinder ermutigen soll, ins Grading-System einzusteigen. Wenn es in einem Land mal zu viele Bogenreiter hat, die gerne an Europa- oder Weltmeisterschaften der IHAA starten wollen, dass eine Auswahl unter ihnen getroffen werden muss, kann solch ein Gradingsystem auch hier bei der Entscheidung helfen, wer schlussendlich an die grossen Turniere fährt, um das Land auch optimal zu repräsentieren.

Mehr Informationen und wie du dich in der Schweiz für Gradings anmeldest, findest du unter den folgenden unter den Buttons hinterlegten pdf-Dateien:

Deine für die Gradings relevanten Turnierergebnisse und die aller weltweit stattfindenden IHAA-Turniere findest du auf der Website www.ihaa.eu. 

Auf der englischsprachigen Website der IHAA www.horsebackarchery.info können sich auch andere Nationalitäten über Gradings informieren.

 

Turnierreglemente der wichtigsten Disziplinen

Die folgenden Turnierreglemente durften wir freundlicherweise der Website www.diesteppenreiter.de unserer Bogenreiter-Kollegen aus dem "grossen Kanton" entnehmen. Die Reglemente werden in der Schweiz praktisch genauso gehandhabt, trotzdem kann jeder Veranstalter auch mal etwas davon abweichen. Beim Briefing vor jedem Wettkampf also gut aufpassen.
Herzlichen Dank den Steppenreitern - wir sehen euch bei den nächsten Turnieren! :-)

Reglement für den ungarischen Wettkampf

Allgemeine Bestimmungen zur Wettkampfbahn

Der Einlauf der Wettkampfbahn muss mindestens 15m, der Auslauf der Bahn mindestens 20m in gerader Richtung betragen. Zusätzlich kann ein weiterer Auslauf vorhanden sein, der es dem Starter ermöglicht sein Pferd in einen Zirkel zu lenken oder weiter auslaufen zu lassen.

Die Breite der Wettkampfbahn sollte bei 0,9 – 2 Metern liegen.

Für einen zügigen Ablauf der Wettkämpfe mit vielen Startern hat sich eine gesonderte Rücklaufstrecke als gute Ergänzung gezeigt.

Im Start und Zielbereich muss zusätzlich zum Auslauf genügend Platz für die Startgruppen (üblich 3-5 Pferde) vorhanden sein.

Ein Sicherheitsabstand von mindestens 6m zu den Zuschauern muss entlang der gesamten Bahn eingehalten werden.

Innerhalb des mindestens 6 m – Abstandes zu den Zuschauern muss ein mindestens 3 m großer Bereich ab der Bahn eingehalten werden. In diesem Bereich, der sogenannten "Deadzone", darf sich während des Wettkampfes und des Trainings absolut keine Person aufhalten. Diese Maßnahme soll eine Störung und ein Aufschrecken der galoppierenden Pferde verhindern.

Sollte die Rückreitebahn der Pferde neben der Bahn stattfinden, so ist zu empfehlen, dass der Bereich 2-3 m beträgt. Pferde können in diesem Bereich genügend Platz finden und es werden keine Zuschauer von danebentretenden Hufen erfasst.

Im Bereich der Ziele muss sichergestellt werden, dass keine Personen oder Tiere zu Schaden kommen können.

 

Wettkampfbahn

Die Wettkampfbahn, muss zwischen Start und Ziel 90m lang, geradlinige und möglichst eben sein.

Start und Ziel werden durch Markierungspfosten gekennzeichnet (je ein Pfosten links der Galoppbahn). Alle Markierungsposten müssen mindestens 250cm hoch und 50cm vom Rand der Reitbahn entfernt sein.

Der Zielturm muss so gestaltet sein, dass an ihm drei Zielscheiben in einer Höhe von 2m (Abstand Mittelpunkt der Scheibe zum Niveau der Galoppbahn auf Höhe der Zielturms) angebracht werden können.

 Die Scheiben sind so auszurichten, dass

• ein bei 15 Meter ab dem Start geschossener Pfeil gerade auf die erste Zielscheibe trifft, (das entspricht einem Winkel von 107° gegenüber der zweiten Scheiben, die parallel zur Bahn ausgerichtet ist),

• die zweite Scheibe parallel zur Bahn ausgerichtet ist und

• ein bei 75 Meter ab dem Start geschossener Pfeil gerade auf die dritte Zielscheibe trifft. (das entspricht einem Winkel von 107° gegenüber der zweiten Scheiben, die parallel zur Bahn ausgerichtet ist)

 

Wettkampfscheiben

Die Scheiben bestehen aus drei konzentrischen Kreisen, die einen Durchmesser von 30, 60 und 90 cm haben.

Die Zielscheiben müssen sich deutlich vom Unter- und Hintergrund unterscheiden. Die empfohlene Färbung von innen nach außen ist rot, weiß, rot.

 

Zeitlimit

Die Strecke zwischen Start und Ziel sollte im Galopp absolviert werden. Es werden nur Treffer aus dem Galopp gewertet. Der Teilnehmer darf nicht mehr als 18 Sekunden benötigen. In der Jugendwertung beträgt das Zeitlimit 20 Sekunden.

 

Anzahl der Läufe pro Starter

Jeder Starter kann entsprechend der Ausschreibung 6-9 Wertungsgalopps absolvieren.

Jeder Teilnehmer darf am Anfang seines Wettkampfes bis zu zwei Probegalopps absolvieren, die nicht gewertet werden. Der Veranstalter muss mindestens zwei Galopps gewähren, kann aber bis zu drei Galopps ausschreiben und durchführen lassen.

 

Mitführen von Pfeilen

Beim Anreiten darf bereits ein Pfeil schussbereit auf der Sehne liegen.

 

Wertung von Trefferpunkten

Alle drei Scheiben besitzen ab dem Jahr 2016 dieselben Wertungspunkte. Die Wertungen der Ringe von innen nach außen sind 4, 3 und 2 Trefferpunkte. Von jedem erlaubten Standort auf der Wettkampfbahn kann der Schütze alle Scheiben beschiessen. Der Reiter kann sich dabei noch vor dem Start- und nach dem Ziel-Tor befinden, sofern der Pfeil auf der Bahn zugewandten Seite des Start- und Zielpfostens vorbeifliegt.

 

Wertung von Zeitpunkten

Die Differenz zwischen dem Zeitlimit für den jeweiligen Starter und der durch den Starter erreichten Zeit wird ihm dann als Pluspunkte zugerechnet, wenn er im gleichen Durchgang mindestens einen gültigen Treffer erzielen konnte.

Die Grenzzeit beträgt 16 Sekunden. In der Jugendwertung beträgt die Grenzzeit 18 Sekunden.

Das Ergebnis kann bei diesem System zu negativen Werten in der Zwischensumme führen. Das Endergebnis ist stets positiv.

 

Wertung eines Durchgangs

Die Wertung für jeden Durchgang ergibt sich aus der Summe der gültigen Trefferpunkte, die ausschließlich im Galopp erzielt wurden, und der Zeitpunkte.

Der Durchgang wird mit Null Punkten bewertet, wenn

• der Starter während der Durchgangs die Bahn verlassen hat,

• keine gültigen Trefferpunkte erzielt wurden oder

• das Zeitlimit überschritten wurde.

 

Gesamtwertung der Wettkampfs

Die Wertung für den Wettkampf ist die Mittlere, pro Wertungsgalopp erreichte Punktzahl. Sie errechnet sich aus der Summe der erreichten Punkte pro Wertungsgalopp geteilt durch die Anzahl absolvierter Wertungsgalopps. Hat ein Starter einen negativen Durchschnittswert erreicht, so wird der Wettkampf mit Null Punkten gewertet.

Reglement für den Kassai-Wettkampf

Allgemeine Bestimmungen zur Wettkampfbahn

wie beim Ungarischen Wettkampf.

 

Wettkampfbahn

Die Wettkampfbahn, muss zwischen Start und Ziel 99m lang, geradlinige und möglichst eben sein.

Start und Ziel werden durch Markierungspfosten gekennzeichnet (je ein Pfosten links der Galoppbahn). Alle Markierungsposten müssen mindestens 250cm hoch und 50cm vom Rand der Reitbahn entfernt sein.

Der Zielturm mit einer drehenden Zielscheibe befindet sich auf Höhe des Bahnmittelpunkts (49,5m hinter dem Start) und ist so aufgestellt, dass die Scheibe bei einer parallelen Stellung zur Wettkampfbahn 9m von der dem Zielturm zugewandten Rand der Bahn entfernt ist.

Der Zielturm muss so gestaltet sein, dass an dem Turm eine drehende Zielscheibe in einer Höhe von 2m (Abstand Mittelpunkt der Scheibe zum Niveau der Galoppbahn auf Höhe der Zielturms) angebracht werden kann. Die Drehung der Zielscheibe muss mit einer Vorrichtung so sicher gewährleistet werden, dass die Steuerung vergraben unter der Bahn verläuft und kein Pferd beim Überschreiten behindern werden kann.

Weiterhin muss die Steuerung leicht und mit einer kurzen Einweisung zu bedienen sein. Jeder Teilnehmer kann sich den Scheibendreher (die Person, die die Scheibe dreht) selbst auswählen. Der Standort des Scheibendrehers muss sicher gewählt werden, so dass kein Querschläger die Person gefährdet.

 

Wettkampfscheiben

Die Scheibe besteht aus drei konzentrischen Kreisen, die einen Durchmesser von 30, 60 und 90 cm haben.

Die Zielscheibe muss sich deutlich vom Unter- und Hintergrund unterscheiden. Die empfohlene Färbung von innen nach außen ist rot, weiß, rot. Eine weitere gängige Variante ist weiß, schwarz, weiß.

 

Zeitlimit

Die Strecke zwischen Start und Ziel sollte im Galopp absolviert werden. Es werden nur Treffer aus dem Galopp gewertet. Der Teilnehmer darf nicht mehr als 20 Sekunden benötigen. In der Jugendwertung beträgt das Zeitlimit 22 Sekunden.

 

Anzahl der Läufe pro Starter

Jeder Starter kann entsprechend der Ausschreibung 6-9 Wertungsgalopps absolvieren.

Jeder Teilnehmer darf am Anfang seines Wettkampfes bis zu zwei Probegalopps absolvieren, die nicht gewertet werden. Der Veranstalter muss mindestens zwei Galopps gewähren, kann aber bis zu drei Galopps ausschreiben und durchführen lassen.

 

Mitführen von Pfeilen

Beim Anreiten darf bereits ein Pfeil schussbereit auf der Sehne liegen.

 

Wertung von Trefferpunkten

Die Wertungen der Scheiben-Ringe von innen nach außen sind 4, 3 und 2 Treffer-punkte. Der Reiter kann sich dabei noch vor dem Start- und nach dem Zieltor befinden, sofern der Pfeil auf der Bahn zugewandten Seite des Start- und Zielpfostens vorbeifliegt.

 

Wertung von Zeitpunkten

Die Differenz zwischen dem Zeitlimit für den jeweiligen Starter und der durch den Starter erreichten Zeit wird ihm dann als Pluspunkte zugerechnet, wenn er im gleichen Durchgang mindestens einen gültigen Treffer erzielen konnte.

 

Wertung eines Durchgangs

Die Wertung für jeden Durchgang ergibt sich aus der Summe der gültigen Trefferpunkte, die ausschließlich im Galopp erzielt wurden, und der Zeitpunkte.

Der Durchgang wird mit Null Punkten bewertet, wenn

• der Starter während der Durchgangs die Bahn verlassen hat,

• keine gültigen Trefferpunkte erzielt wurden oder

• das Zeitlimit überschritten wurde.

 

Gesamtwertung der Wettkampfs

Die Wertung für den Wettkampf ist die mittlere, pro Wertungsgalopp erreichte Punktzahl. Sie errechnet sich aus der Summe der erreichten Punkte pro Wertungsgalopp geteilt durch die Anzahl absolvierter Wertungsgalopps. Hat ein Starter einen negativen Durchschnittswert erreicht, so wird der Wettkampf mit null Punkten gewertet.

Reglement für den koreanischen Wettkampf

 

Wettkampfbahn

Die Wettkampfbahn muss zwischen Start und Ziel

• für die Disziplinen SS und DS und TS 90m lang,

• für den Mini-Multi 120m lang,

• für die Disziplin MS 150m lang

und möglichst eben sein. Weiterhin gelten die Sicherheitsabstände wie beim Ungarischen Wettkampf.

Die Bahn muss nicht geradlinig verlaufen, darf jedoch keine engen Kurven beinhalten. Ein gerader Verlauf wird jedoch empfohlen.

Die Zielscheiben dürfen so aufgestellt werden, dass sich die Unterkante der Koreanischen Scheibenauflage auf dem Niveau der Reitbahn befindet, also den Boden berührt. Die maximale Höhe der Scheibenauflagen darf 2m Meter vom Niveau der Reitbahn bis zur Oberkante der Scheibenauflage nicht überschreiten.

Es wird ein Scheibenwinkel von 70 bis 90 Grad gegenüber des Bodenniveaus vorgeschrieben.

 

Single Shot (SS)

Das Ziel befindet sich auf Höhe des Bahnmittelpunkts (45m hinter dem Start) Sie ist in 5m Entfernung zu der dem Ziel zugewandten Seite der Bahn aufgestellt und parallel zur Bahn ausgerichtet.

 

Double Shot (DS)

Die zwei Ziele befinden sich auf einer Höhe von 40m und 50m hinter dem Start auf der gleichen Seite der Galoppbahn in einer Entfernung von 5m zu der dem Ziel zugewandten Seite der Bahn.

Die in Reitrichtung erste Scheibe wird so aufgestellt, dass ihr Trefferbereich zum Start hin ausgerichtet ist, der Trefferbereich der zweiten Scheibe zum Ziel.

Beide Scheiben werden so im Winkel zur Bahn aufgestellt, dass ein Schütze, der sich mit Blick zur Scheibe in 15m Entfernung zu dieser auf der Galoppbahn befindet, einen direkten, geraden Schuss auf die Scheibe abgeben kann. Maßgeblich ist wiederum der Abstand zwischen Scheibe und der der Scheibe zugewandten kante der Bahn (das entspricht einem Winkel von 109,5° gegenüber einer Scheibe, die parallel zur Bahn ausgerichtet ist).

 

Triple Shot (TS)

Es werden drei koreanische Zielscheiben bei 15m, 45m und 75m (gemessen vom Start) aufgestellt. Alle Scheiben befinden sich auf der gleichen Seite der Galopp-bahn. Sie sind jeweils 5m von der den Scheiben zugewandten Seite der Bahn ent-fernt und parallel zur Bahn ausgerichtet.

 

Mini-Multiple Shot

Es werden vier koreanische Zielscheiben bei 15m, 45m, 75m und 105m (gemessen vom Start) aufgestellt. Alle Scheiben befinden sich auf der gleichen Seite der Galoppbahn. Sie sind jeweils 5m von der den Scheiben zugewandten Seite der Bahn entfernt und parallel zur Bahn ausgerichtet.

 

Multiple Shot (MS)

Es werden fünf koreanische Zielscheiben bei 15m, 45m, 75m, 105m und 135m (gemessen vom Start) aufgestellt. Alle Scheiben befinden sich auf der gleichen Seite der Galoppbahn. Sie sind jeweils 5m von der den Scheiben zugewandten Seite der Bahn entfernt und parallel zur Bahn ausgerichtet.

 

Wettkampfscheiben

Es sind die koreanischen Zielscheiben zu empfehlen (Größe und Farben: 84 x 84 cm; rot, gelb, grün, schwarz). Die Treffer werden wie folgt bewertet: Tigerkopf = 5 Punkte, rot = 4 Punkte, gelb = 3 Punkte, grün = 2 Punkte, schwarz = 1 Punkt. Die Farben müssen eingehalten werden.

 

Zeitlimit

Die Strecke zwischen Start und Ziel sollte im Galopp absolviert werden. Es werden nur Treffer aus dem Galopp gewertet. Es gelten die Zeitbegrenzungen von

• 12 Sekunden bei SS, DS und TS und

• 13 Sekunden bei Mini-Multi/Mini-MS und

• 16 Sekunden bei MS

Für die Jugendwertungen werden die Zeitbegrenzungen um jeweils 2 Sekunden angehoben.

 

Anzahl Läufe pro Starter

Pro Korea-Disziplin (SS, DS, MS) werden 2 Wertungsläufe absolviert. Es kann ein Probegalopps durchgeführt werden. Es muss ein Probegalopp durchgeführt werden. Der Veranstalter muss mindestens einen Probegalopp gewähren, kann aber bis zu zwei Galopps ausschreiben und durchführen lassen.

Jeder Teilnehmer darf zu Beginn des Koreanischen Wettkampfs einmal im Schritt durch die Bahn reiten. Weiterhin darf das Zeitfenster beim Umbau auf TS/Mini-MS/MS für einen weiteren Probeschritt genutzt werden. Die Teilnehmer einer Gruppe müssen dabei in kurzen Abständen durch die Bahn reiten, damit der Zeitrahmen nicht gesprengt wird. Es darf dabei kein Pfeil aufgelegt oder geschossen werden. Für das rechtzeitige Erscheinen ist jeder selber verantwortlich!

Bei der Wettkampf-Besprechung am Freitagabend wird ein Countdown für den Probeschritt festgelegt. Das bedeutet, dass ein Teilnehmer bei einem Countdown von z.B. 20 Sekunden nur innerhalb dieser Zeit, nach der Freigabe der Richter, seinen Probe-Schritt durchführen kann. Sollte der Teilnehmer nicht innerhalb des Countdowns erscheinen, verfällt die Möglichkeit des Probe-Durchgangs. Weiterhin wird festgelegt, wo ein Teilnehmer in die Bahn einreiten darf. Dies wird vom Richtertisch aus bei der Durchführung beaufsichtigt.

 

Mitführen von Pfeilen

Pro Scheibe darf ein Pfeil geschossen werden. Die Pfeile müssen einzeln gezogen werden. Es darf kein Pfeil in der Hand gehalten oder an den Händen/Armen befestigt werden. Es ist darauf zu achten, dass weder Dritte noch Pferd noch Reiter durch die Art der Mitführung der Pfeile gefährdet werden.

Beim TS, Mini-MS und MS darf bereits ein Pfeil schussbereit auf der Sehne liegen. Bei SS und DS muss auch der erste Pfeil gezogen werden.

Beim SS und DS darf der erste Pfeil deutlich und offensichtlich erst nach dem Passieren der Zeitmessanlage berührt und aus dem Behältnis (Köcher, Gürtel, Stiefel) gezogen werden.

 

Wertung von Zeitpunkten

Die Differenz zwischen dem erlaubten Zeitlimit und der durch den Teilnehmer erreichten Zeit wird ihm zu seinen Trefferpunkten zugerechnet. Dadurch dürfen negativen Zeitwertungen entstehen. Das Gesamtergebnis kann nicht negativ sein.

 

Bonussystem beim Triple Shot, Mini Multiple Shot, Multiple Shot

    • drei aufeinanderfolgend, getroffene Scheiben = 3 Zusatzpunkte

    • vier aufeinanderfolgend, getroffene Scheiben = 4 Zusatzpunkte

    • fünf aufeinanderfolgend, getroffene Scheiben = 5 Zusatzpunkte

 

Wertung eines Durchgangs

Die Wertung für jeden Durchgang ergibt sich aus der Summe der gültigen Trefferpunkte, die ausschließlich im Galopp erzielt wurden, und der Zeitpunkte:

• Wertung = Trefferpunkte + (Zeitlimit - Rittzeit)

• Der Durchgang wird mit Null Punkten bewertet, wenn

• der Starter während der Durchgangs die Bahn verlassen hat,

• keine gültigen Trefferpunkte erzielt wurden,

• sich eine negative Wertung ergibt.

 

Gesamtwertung der Wettkampfs

Zur Wertung des Wettkampfs „koreanischer Wettkampf“ werden die Ergebnisse aus den sechs Wertungsgalopps addiert.

Reglement zum Wettkampf Qabaq

 

Wettkampfbahn

Die Wettkampfbahn, muss zwischen Start und Ziel 90m lang, geradlinige und möglichst eben sein.

Der Qabaq-Mast steht in der Mitte der Bahn bei 45m.

Der Abstand des Qabaq-Mastes von der Bahninnenseite beträgt 1 m.

Um den Mast befindet sich ein markierter Zirkel von 5m Durchmesser.

 

Wettkampfscheibe

Der Qabaq-Mast ist 6,30 m hoch (vom Grund zur Spitze) und an der Spitze ist eine Scheibe aus Metall, z.B. dünnwandiges Blech, mit einem Durchmesser von 60 cm befestigt.

 

Zeitlimit

Die Strecke zwischen Start und Ziel sollte im Galopp absolviert werden. Es werden nur Treffer aus dem Galopp gewertet. Der Teilnehmer darf nicht mehr als 12 Sekunden benötigen. In der Jugendwertung beträgt das Zeitlimit 14 Sekunden.

 

Anzahl der Läufe pro Starter

Es werden zwei Wertungsgalopps durchgeführt.

Jeder Teilnehmer darf am Anfang seines Wettkampfes ein Probegalopps absolvieren, der nicht gewertet wird.

 

Mitführen von Pfeilen

Für den Qabaq Shot sind nur Pfeile mit Blunt-Spitzen und möglichst großer Befiederung (FluFlu-Pfeil) erlaubt.

Die Richter vor Ort überprüfen die Ausrüstung auf Ungefährlichkeit und geben Ihre Freigabe an die Teilnehmer.

 

Wertung von Zeitpunkten

Die Differenz zwischen dem erlaubten Zeitlimit und der durch den Teilnehmer erreichten Zeit wird ihm zu seinen Trefferpunkten zugerechnet. Dadurch dürfen negativen Zeitwertungen entstehen. Das Gesamtergebnis kann nicht negativ sein.

 

Wertung von Trefferpunkten

Um den Mast befindet sich ein markierter Zirkel von 5m Durchmesser. Nur innerhalb dieses Kreises abgeschossene Pfeile ergeben einen gültigen Treffer.

Wird die Scheibe am Mast innerhalb des 5-Meter-Kreises getroffen, ergeben sich 5 Trefferpunkte.

 

Wertung eines Durchgangs

Die Wertung für jeden Durchgang ergibt sich aus den gültigen Trefferpunkten, die ausschließlich im Galopp erzielt wurden, und den Zeitpunkten.

• Der Durchgang wird mit Null Punkten bewertet, wenn

• der Starter während der Durchgangs die Bahn verlassen hat,

• keine gültigen Trefferpunkte erzielt wurden,

• oder sich eine negative Wertung ergibt.

Achtung! An der Schweizer Meisterschaft der Gebirgsreiter im Wallis wird der Qabaq etwas spannender abgewandelt: der Qabaq-Pfeil muss vor dem Schuss im Galopp aus einem vom Boden aus etwas erhöht stehenden Behältnis geangelt werden, was gar nicht so einfach ist und vorher geübt werden sollte. Speziell, wenn man auf einem grossen Pferd unterwegs ist. Noch dazu gibt es im zweiten und dritten Durchgang kurz hinter dem Startpunkt bzw. kurz vor dem Ziel auch noch zwei Zielscheiben am Boden, die dann wieder mit normalen Pfeilen geschossen werden. Ganz schön tricky, aber immerhin darf man mit eingelegtem Pfeil starten. ;-)

Am besten beim Briefing vor dem Wettkampf gut zuhören oder bei den Startern vor einem zuschauen, wie es genau geht.

Reglement zum Mannschaftswettkampf Mogu

 

 

 

Wettkampfgruppen (Mannschaften)

Mogu ist ein Mannschaftssport. Eine Mannschaft besteht mindestens aus 2 Reitern und 2 Pferden.

Mindestens eine Reiter/Pferd-Paarung muss auch als Ballzieher einsetzbar sein, d.h. das Pferd muss den Zielball willig ziehen, den der Reiter an einem Seil hält.

 

Wettkampfbahn

Die Wettkampfbahn untergliedert sich in vier Abschnitte, die in Reitrichtung wie folgt angeordnet sind:

• Startbereich Ballziehpferd,

• Startbereich Schützen,

• Schießbereich und

• Auslaufzone

Im Startbereich Ballziehpferd muss ausreichend Platz für das Ballziehpferd und den Mogu-Ball an der lang ausgelegten Ballziehschnur sein. Empfohlen wird eine Länge von 10m.

Im Startbereich Schützen haben die beiden Starter eines jeden Teams Platz, um sich für ihren Galopp zu positionieren. Auch hier wird eine Länge von 10m empfohlen.

Der Schießbereich muss eine Länge von mindestens 100m haben.

Die Auslaufzone muss ein sicheres Bremsen der Pferde ermöglichen. Es wird eine Länge von 25m empfohlen.

Die gesamte Strecke muss geradlinig und möglichst eben sein. Sie sollte eine Breite von mindestens 25m haben.

 

Ziel

Als Ziel dient ein runder, ca. 60cm durchmessender Gegenstand (Mogu-Ball), der an einem ca. 5m langen Seil befestigt wird. Der Ball wird vom Ballzieher (Reiter und Ballziehpferd) in zügigem, möglichst gleichmäßigem Galopp gezogen.

 

Anzahl Läufe pro Mannschaft

Jede Mannschaft hat einen Probegalopp und zwei Wertungsläufe.

 

Pfeilart und Mitführen von Pfeilen

Es sind ausschließlich Bluntpfeile erlaubt! Es wird empfohlen weiche, farbgetränkte Spitzen zu verwenden, die beim Treffen einen Abdruck auf dem Ball hinterlassen.

Es dürfen beliebig viele Pfeile geschossen werden. Wie die Starter ihre Pfeile mitführen, ist nicht vorgeschrieben. Es ist lediglich darauf zu achten, dass weder Dritte noch Pferd noch Reiter durch die Art der Mitführung der Pfeile gefährdet werden.

Beim Anreiten darf bereits ein Pfeil schussbereit auf der Sehne liegen.

 

Wertungsgalopp (Durchgang)

Nach der Startfreigabe durch den Richter gibt eines der Teammitglieder dem Ballzieher ein vorher vereinbartes Zeichen. Dieser startet seinen Galopp, die Schützen des Teams starten nach eigenem Ermessen um auf den Ball zu schießen.

 

Wertung

Während des Durchgangs zählen zwei Helfer, die rechts und links der Bahn stehen die erzielten Treffer je eines Schützen. Wurden Farbpfeile verwendet, kann die Trefferzahl auch nach dem Galopp bestimmt werden.

Pro Treffer gibt es einen Trefferpunkt.

 

Literatur über das berittene Bogenschiessen

Es soll ja glücklicherweise immer noch Menschen geben, die gerne ein echtes Buch in der Hand haben, um sich einen Sport parallel zum physischen Training auch noch in der theoretischen Tiefe anzueignen oder um noch Feinheiten nachzuschlagen. Auf Deutsch gibt es bisher leider nur wenige Veröffentlichungen zum Thema, aber auf Englisch gibt es doch noch einiges für Leseratten......

Bogenschiessen vom Pferd

von

Lajos Kassai, Ungarn 

Der Mann, der die Kampfkunst des berittenen Bogenschiessens in den Achtzigerjahren für sich entdeckte und einen Sport daraus entwickelte, hat 2002 ein Buch über seine Anfänge und seinen spirituellen Weg geschrieben. 

Man findet in der ersten Hälfte viele hilfreiche Tipps, wie man Pferde an den Sport gewöhnt und einen Trainingsplan für sich selbst aufbaut. Es wird dabei nur die mediterrane Schiesstechnik beschrieben.

Weiter oben findest du mehrere Auszüge aus diesem Buch.

 

Du findest es neu und gebraucht auf Amazon für 30 bis 45 Euro. Es hat 174 Seiten und existiert auch auf Ungarisch, Englisch, Russisch und Chinesisch.

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